Was die Schweiz ausmacht

Es sind die kleinen Dinge, die ein Heimatgefühl auslösen. Aber was genau? Ein Buch zeigt Objekte, die uns so vertraut sind, dass sie uns erst auffallen, wenn wir ihnen länger nicht begegnet sind.

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Abfallcontainer, Hydranten, Strassenschilder. Solche Objekte sind es, die einem nach der Rückkehr aus dem Ausland das Gefühl geben, wieder zu Hause zu sein. Das Büchlein «Schweizer Mobiliar» widmet sich diesen Gegenständen, «die unseren Alltag untermalen und gleichzeitig auch die Schweiz ausmachen, weil sich ihre Ausprägung von jener ihrer Pendants jenseits der Landesgrenze unterscheidet», wie es der Herausgeber Paul Schneeberger im Vorwort schreibt.

Es passt zum Zeitgeist, dass Objekte, die noch vor wenigen Jahren als bieder abgetan wurden, nun in einem durchdesignten Büchlein gefeiert werden. Auch das einstige Spiesser-Symbol schlechthin, die Geranie, ist enthalten – und erhält eine Rehabilitation. «Neben dem gefreuten Anblick, den die Blume bietet, verströmen die Blätter mancher Sorten einen fantastischen Duft», wird die Pflanze beschrieben. Eher seltsam ist hingegen, dass auch die Hochspannungsleitung, der Einkaufswagen oder der Sendemast enthalten sind, die sehen überall gleich aus.

Das Schweizer Selbstverständnis

Da das Heimatgefühl viel mit Erinnerungen zu tun hat, besteht bei solchen Auflistungen die Gefahr, in Nostalgie zu verfallen. Auch die Autoren dieses Buches sind davor nicht gefeit. So wird dem alten Erstklass-Fauteuil der SBB nachgetrauert, bei den Stichworten «Briefkasten» oder «Telefonkabine» werden alte Varianten abgebildet, die schon fast museumsreif sind und im Alltag längst in neuer Gestalt daherkommen. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen: Bei den Zeitungskästen wird nicht etwa der Pionierkasten, ein alter «SonntagsBlick»-Automat, gezeigt, sondern eine «20 Minuten»-Box. Die Pendlerzeitung ist in wenigen Jahren Teil des Schweizer Selbstverständnisses geworden.

Das Buch ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch zu lesen. Zu jedem der 25 Objekte ist ein Text abgedruckt, der Funktion, technische Merkmale und die Geschichte erklärt. So erfährt man, wie gross ein Ortsschild sein muss, wo der Skilift erfunden wurde oder weshalb in jeder Schweizer Gemeinde ein Schaukasten mit einem Aufgebotsplakat der Armee hängt. Dabei werden oft auch Vorurteile widerlegt. Zum Beispiel beim Randstein: «Der Randstein ist also nicht eine kleinkarierte Massnahme von Ordnungsfetischisten, sondern ein Netzwerk, welches das öffentliche Meteorwasser nicht nur nachhaltig sammelt, sondern auch geklärt und sauber wieder in den natürlichen Wasserkreislauf einspeist.» Was einmal mehr zeigt: Das Erscheinungsbild der Schweiz ist durch den eidgenössischen Sinn für Ordnung und Sicherheit geprägt.

Sehen Sie in der Bildstrecke oben eine Auswahl des im Buch beschriebenen Schweizer Mobiliars. Welche typischen Schweizer Objekte haben die Buchautoren vergessen? Was fällt Ihnen besonders auf, wenn Sie aus dem Ausland zurückkommen? Teilen Sie uns Ihre Vorschläge in den Kommentarfeldern unten mit!

Erstellt: 06.08.2010, 11:30 Uhr

Das Buch

Paul Schneeberger (Hrsg.): «Schweizer Mobiliar. Ikonen des öffentlichen Raums». 168 Seiten, 40 farbige und schwarzweisse Abbildungen. Verlag NZZ, 34 Franken.

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