«Wir lassen uns volllaufen!»

Der Zeichner Didier Conrad und der Szenarist Jean-Yves Ferri sprechen über ihren neuen Band «Asterix in Italien» und wie sie sich neue Geschichten ausdenken.

Szenarist Jean-Yves Ferri (l.) und Zeichner Didier Conrad (r.) mit ihrem neuesten Baby: «Asterix in Italien» ist heute erschienen.

Szenarist Jean-Yves Ferri (l.) und Zeichner Didier Conrad (r.) mit ihrem neuesten Baby: «Asterix in Italien» ist heute erschienen. Bild: Philippe Wojazer/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Uderzo hat mal einen Comic dazu gezeichnet, wie er mit Goscinny die Asterix-Bände ausheckte. Demnach sassen sie in einem Bistro, tranken Bier und lagen am Ende lachend unterm Tisch. Ist das bei Ihnen auch so?
Jean-Yves Ferri: Haargenau – wir lassen uns ständig volllaufen.
Didier Conrad: Okay, ernsthaft. Die beiden sassen damals hier in Paris und haben sich dauernd getroffen. Bei uns ist es ein bisschen komplizierter. Wir haben uns ja vorher gar nicht gekannt.

Zudem leben Sie in den USA und Jean-Yves Ferri in Frankreich.
Conrad: Wobei ich ja schon ein bisschen nähergerückt bin, von Kalifornien nach Texas. Aber wir müssen trotzdem alles über Mail, Skype und Telefon machen.

Hat das Ihr Arbeiten verändert? Arbeiten Sie immer noch mit der Hand oder direkt am Computer?
Conrad: Ich mache alle Zeichnungen mit der Hand. Nur Fehler werden am Computer wegretuschiert.
Ferri: Ich auch, alles auf Papier. Das wird dann gescannt und an ihn gemailt. Er ignoriert die Mail dann.

Wieso spielt der neue Band in Italien? Da war Asterix schon oft.
Conrad: Aber er ist bisher immer nur direkt nach Rom gegangen. Italien kommt praktisch nicht vor, Goscinny und Uderzo haben uns da das ganze Land überlassen, das war sehr grosszügig von ihnen.

Was war zuerst da: die Idee, die Geschichte in Italien anzusiedeln – oder das Pferderennen?
Conrad: Jean-Yves hatte die Idee mit Italien. Das Rennen hat sich dann automatisch ergeben, irgendwie müssen wir sie ja durchs Land schicken.
Ferri: Mir war von Anfang an klar, dass es in Italien anfangen und enden muss.
Conrad: Weil du dir zur Entwicklung der Geschichte immer so elend viel Zeit lässt. Wenn die in Lyon losgefahren wären, wären sie am Ende gerade mal an der italienischen Grenze gewesen.
Ferri: Jeder Asterix-Band hat nur 44 Seiten. Das ist für mich eins der grössten Probleme. Ich hätte einen Teil des Rennens gern durch Süditalien geführt, vorbei an so herrlich vielen Klischees . . . Das musste ich dann weglassen.

Warum müssen es 44 Seiten sein?
Conrad: Das war immer so. Goscinny hat dieses rasante Erzähltempo.
Ferri: Ausserdem waren Comics früher kürzer. Heute sind die Leute an Graphic Novels mit 300 Seiten gewöhnt. Die Ideallänge für mich wären 60, 70 Seiten.

Die Kürze ist also das grösste Problem beim Schreiben. Und was war am schwersten zu zeichnen?
Conrad: Die Pferde! Weil sie vier Beine haben, die Vorder- und Hinterbeine sind völlig unterschiedlich, und dann rennen sie auch noch permanent durch die Gegend. Schwer war auch Coronavirus.

Der Bösewicht?
Ferri: Ich finde, bei Asterix trifft das Wort nicht ganz. Goscinny hat alle Bösewichte als Dummköpfe angelegt. Pyradonis im Kleopatra-Band, Tullius Detritus aus «Streit um Asterix» – in erster Linie sind sie dumm bis zur Borniertheit. Die Bosheit ist eine Maske der Dummheit.

Das passt: Coronavirus, optisch eine Mischung aus Darth Vader, Stephen-King-Clown und Gladiator, trägt die ganze Zeit über eine goldene Maske.
Conrad: Deswegen war das Zeichnen so schwer. Dauernd eine Maske zu malen, ohne dass es irgendwann langweilig wird. Es war übrigens Jean-Yves, der unbedingt wollte, dass der Bösewicht diesmal permanent ein Lächeln auf dem Gesicht hat. Hat was Diabolisches.

Obelix steuert den Rennwagen. Seine erste Hauptrolle?
Ferri: Er hat doch ohnehin einen Hang dazu, sich durch seine tapsige Art in den Vordergrund zu spielen, also lassen wir ihn das diesmal tun.
Conrad: Ausserdem ist Asterix ja der, der die Karte liest und alles im Blick hat. Wenn das Obelix machen müsste . . .

Sie haben nach dem ersten Band gesagt, die Arbeit mit Uderzo, der damals noch viel kontrollierte, habe Sie an Judokämpfe erinnert.
Ferri: Guter Vergleich, man nutzt den Angriff des anderen für seinen Sieg.
Conrad: Heute lässt er uns in Ruhe.

Gibt es sonst irgendwelche Zwänge?
Ferri: Im Grossen und Ganzen lässt man uns in Ruhe arbeiten.
Conrad: Was bei der Grösse des Unternehmens erstaunlich ist. In den USA hätten wir lauter Leute vom Merchandising an den Hacken, die irgendwelche Nebenfiguren fordern, damit sie die dann in Plastik giessen und verkaufen können.

Warum ist Asterix in den USA eigentlich so unpopulär?
Conrad: Weil sich die Amis mit dem grossen Empire identifizieren, mit Rom. Da die Römer gegen Asterix stets den Kürzeren ziehen, ist das nichts für sie.
Ferri: Tolle Idee: ein Asterix-Band speziell für die USA. Die Römer gewinnen, das Dorf ist am Ende platt.

Es gab immer wieder politische Karikaturen in den Asterix-Heften. Könnten Sie sich vorstellen, Macron oder Merkel auftauchen zu lassen?
Conrad: Mais non, Macron, das wäre eindeutig zu viel der Ehre, der ist so jung und schon Präsident, jetzt auch noch Asterix? Nur über meine Leiche. Ferri: Merkel fände ich reizvoll, so als mütterliche Matrone. Sie müsste dann dauernd Bier ausschenken, in diesen riesigen Humpen vom Oktoberfest.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.10.2017, 16:31 Uhr

Artikel zum Thema

Karren­bolage

Mit der Würze der Sieger: «Asterix in Italien», der neue Band der weltberühmten Comic-Reihe, führt die gallischen Helden diesmal sehr rasant bei einer Rallye durch ganz Italien. Mehr...

Dieses Gallien reicht nur für Comic-Touristen

Kritik Auch der zweite Band der neuen Asterix-Macher vermag nicht zu überzeugen. Das liegt an den Details. Mehr...

Astérix gegen Superman

Was Comicfiguren über die französisch-amerikanischen Spannungen sagen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Mamablog Die Sprache macht Ihr Kind zum Stereotyp

Geldblog Dank Teilpensionierung Steuern sparen

Die Welt in Bildern

Überflieger: Eine F-16 des türkischen Stern-Akrobatik-Teams zeigt bei der Teknofest Flugshow in Istanbul, zu was die Maschine fähig ist. (20 September 2018)
(Bild: Osman Orsal) Mehr...