Ähnlich, aber anders

Mr. Design, das Grafikbüro des Japaners Kenjiro Sano, wird des Plagiats bezichtigt. Es soll sein Logo für Olympia 2020 in Japan einem Belgier abgekupfert haben.

Entworfen oder abgekupfert? – Links das Logo von Kenjiro Sano, rechts das von Olivier Debie.

Entworfen oder abgekupfert? – Links das Logo von Kenjiro Sano, rechts das von Olivier Debie.

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Kenjiro Sano nennt sein Büro «Mr. Design». Eine solche Bezeichnung wirkt in Japan noch unbescheidener als bei uns. So tritt der vielfach preisgekrönte Designer auch auf, zumindest bis vor kurzem. Nun hat Sano acht Designs zurückgezogen, die sein Atelier für den Getränkekonzern Suntory entwarf. Man hat entdeckt, dass sie Werken von anderen Grafikbüros zu ähnlich sehen.

Im Juli stellte das Organisationskomitee für Olympia 2020 Sano als Gewinner des Logowettbewerbs für die Spiele in Tokio vor: ein abstrahiertes T für Tokio in Schwarz, Silber und Gold mit oben rechts der aufgehenden Sonne Japans. Besonders gelobt wurde, dass Sano aus den gleichen Elementen ein Logo für die paralympischen Spiele schuf.

Entworfen oder abgekupfert?

Wenige Tage nach der Logovorstellung meldete sich der belgische Grafiker Olivier Debie, Sano habe bei ihm abgekupfert. Der Belgier war für das Théâtre de Liège in Lüttich auf ein sehr ähnliches, allerdings simpleres Konzept gekommen. Debie hat inzwischen beim Gericht eine Unterlassungsklage eingereicht. In einer Pressekonferenz wehrte sich Sano, er habe Debies Logo nie gesehen und – als ob es kein Internet gäbe – er sei nie in Belgien gewesen. Ausserdem verwende Debie die Bodoni-Schrift, er dagegen Didot. Das Organisationskomitee will an Sanos Design festhalten.

Für Suntory Beer hat Sanos Büro 30 Jutetaschen entworfen, auf denen symbolisiert Alltagssituationen zu sehen sind, etwa eine Baguette oder eine Schwimmerin, die über ihrem eigenen Schatten crawlt. In den sozialen Medien tauchten bald Vorwürfe auf, einige dieser Bilder seien anderswo abgeschaut. Sanos Sprecherin sagte, dies seien alles Alltagssituationen, und implizierte, sie könnten ganz verschiedenen Grafikern einfallen. Niemand habe abgekupfert. Dennoch hat Sano acht der 30 Tragetaschen zurückziehen lassen, wie Suntory Ende der letzten Woche mitteilte.

Nach dem Debakel um das von Stararchitektin Zaha Hadid entworfene neue Nationalstadion, dessen Design Premier Shinzo Abe persönlich abgeschossen hat, laufen die Organisatoren von «Tokio 2020» nun Gefahr, das Logo ihrer Wahl zu verlieren.

Erstellt: 17.08.2015, 16:09 Uhr

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