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Auf dünnem Eis

Erstmals seit 1962/63 friert in diesem Winter der Zürichsee zu. Dafür sorgt der turbulente Schwank «Seegfrörni 2012» von Patrick Frey und Beat Schlatter, die auch noch die Hauptrollen spielen.

Auf dem gefrorenen See: Das Ensemble von «Seegfrörni 2012».
Auf dem gefrorenen See: Das Ensemble von «Seegfrörni 2012».

Noch ist es Sommer. Der Baum vor dem Fenster der engen Einzimmerwohnung, wo Frank Stierli (Beat Schlatter) das Geschäft seines Lebens in die Wege leitet, trägt üppig grüne Blätter. Drinnen aber hat bereits die Kälte Einzug gehalten: Neben der Tür hängen Fotos von der letzten Seegfrörni und die zwei Büchergestelle sind vollgepackt mit Schlittschuhen (Bühne: Anna Bucher).

Schlittschuhe aus Bulgarien

Stierli, Freak in Person, weiss nämlich vom Muotathaler Wetterpropheten Alois Horat (Luigi Prezioso), dass der kommende Winter Zürich die nächste Seegfrörni beschert. Er hat deshalb mit dem 100'000-fränkigen Kredit des Treuhänders Magnus Nussbaumer (Patrick Frey) in Bulgarien ein Riesenarsenal Schlittschuhe gekauft, die er dereinst gewinnbringend zu vermieten gedenkt.

Nussbaumer, in Schale, aber seit kurzem bankrott, will nun das Geld zurück, weil er seiner Mutter Hedi Nussbaumer (Esther Gemsch) damit einen Platz in einem teuren Zollikerberger Altersheim sichern soll. Das Geld aber ist investiert, die Eventmanagerin Scheufele (Anet Corti) engagiert, die Verhandlungen mit Elton John, Stéphane Lambiel laufen. Stierli weiss: Die Seegfrörni 2012 wird ein Grossereignis, das ihm Millionen in die Kasse spülen wird.

Wohl oder übel sieht sich Nussbauer gezwungen, auf Stierlis fahrenden Geschäftskarren aufzuspringen. Die beiden raufen sich zusammen, ohne je am gleichen Strick zu ziehen. Lachende Dritte und Vierte sind die Managerin Scheufele und Mami Nussbaumer. Die eine streicht den Gewinn ein, die andere, einst begnadete Eiskunstläuferin, mausert sich zum Star der US-Show «Age on Ice».

Spielerisch auf dünnem Eis

Patrick Frey und Beat Schlatter sind berühmt für ihre turbulent-komplexen Mundartkomödien. Da bleibt kein Stein auf dem andern. Die Zweizimmerwohnung verwandelt sich in ein Grossraumbüro, das Brünneli bricht ab, Wasser spritzt, die beiden stolpern gehetzt durch den Raum, schreien, flennen, fluchen, immer darauf bedacht, dem Publikum eine Pointe nach der anderen zu liefern.

Und tatsächlich: die guten Pointen sind in diesem Stück keine Seltenheit. Nicht dazu gehören allerdings die unvermeidlichen Querverweise auf UBS, Kachelmann, Bucheli und Hildebrand. Gleichwohl: Freys und Schlatters Geschäftsidee überzeugt, die Geschichte ist witzig und hält, was sie verspricht. Sie trägt, nur schauspielerisch-rhetorisch bewegt sich das Ensemble des öftern auf sehr dünnem Eis.

Zu vermuten ist, dass die sprachliche Hektik der Hauptdarsteller, dass Anet Cortis und Luigi Preziosos mitunter auftretenden Unsicherheiten und dass Freys fahriges, verkrampftes Spiel nicht ganz Katja Frühs Regiekonzept entsprechen. Das gut gelaunte Premierenpublikum nahm es ihnen nicht übel und bedankte sich mit langem Applaus für den heiteren zweistündigen Abend.

sda/Von Karl Wüst/dj

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