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Begegnung der unheimlichen Art

Der Fotograf Noam Galai hat ein Selbstporträt ins Internet gestellt - und heute schreit es ihm überall entgegen.

Es ist so etwas wie die moderne Version von Edvard Munchs «Der Schrei». Bloss ist Noam Galais Schreibild keine Malerei, sondern Fotografie. Vier verschiedene Versionen vom «Skrik» hat Munch vor hundert Jahren gezeichnet; Galai drückte 15-mal auf den Selbstauslöser, während er inbrünstig schrie.

Eigentlich habe er bloss austesten wollen, was sich mit unterschiedlichen Lichtverhältnissen alles so machen lässt, erzählt Galai in einem Interview mit Jetzt.de. Hätte ihm damals jemand erzählt, wozu dieses simple Experiment eines Tages führen würde, hätte er es wohl nicht geglaubt.

Von Flickr nach Manhattan

Noam Galai ist 25-jährig, Fotograf, Israeli und Wahl-New-Yorker. Er ist ruhig, unauffällig und sieht aus wie der Prototyp eines Nerds. Noam Galai ist eigentlich niemand, sein Gesicht dagegen schon. Davon wusste er jedoch lange Zeit nichts. Nachdem er ein paar seiner Schreibilder auf Flickr hochgeladen hatte, wie er es immer machte, um Werbung für seine Arbeit als Fotograf zu machen, hatte er ihnen keine grosse Beachtung mehr geschenkt. Bis zu einem Tag zwei Jahre später.

«Ich hab vorhin in der U-Bahn dein schreiendes Gesicht auf einem T-Shirt gesehen», erzählte ihm eine Kollegin eines Morgens und Galai glaubte ihr kein Wort – bis er das T-Shirt selber in einem grossen Laden in Manhattan entdeckte, für 40 Dollar. «Da hing mein Gesicht an der Stange. Das hat sich sehr komisch angefühlt – aber irgendwie auch interessant», sagt Galai zu Jetzt.de. Wie sein Foto von Flickr auf das T-Shirt im Laden in Soho kam, weiss er bis heute nicht.

70 Links zu Schreibildern

Ziemlich genau zur selben Zeit wollte das Magazin «National Geographic» sein Foto für ein Spezialheft zur US-Wahl haben. Sie hatten das Bild wohl irgendwo via Google gefunden. Stutzig geworden, begann auch der israelische Fotograf, sein Bild zu googeln. Schon beim ersten Suchversuch habe er zehn Bilder auf T-Shirts und als Graffiti gefunden. Nicht nur in New York, auch in Mexiko oder im Iran.

Inzwischen gibt es gar eine Facebook-Galerie mit Links zu allen Schreibildern. Über 70 sind es, überall in der Welt ist Noam Galai zu sehen. Nicht nur auf T-Shirts und Magazincovern, sondern auch auf Büchern, Alben, Konzertflyern oder Protestplakaten. Die wenigsten haben Galai um Erlaubnis gefragt, ob sie sein Originalfoto verwenden dürfen. Bislang ist der 25-Jährige nicht dagegen vorgegangen. Stattdessen hat er nun seinen Webshop. Dort gibt es den schreienden Galai auf Sneakers, auf Frisbees, auf Skateboards, auf Krawatten und auch auf Hundeshirts.

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