«Burkini Babe», die Erste

Das somalisch-amerikanische Model Halima Aden (21) erscheint als Erste in Hijab und Burkini in der Bademoden-Ausgabe der «Sports Illustrated».

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Halima Aden hatte nie Angst, die Erste zu sein. Sie war das erste Model mit Hijab auf dem Cover eines grossen US-Magazins («US Allure») und auf dem Cover der «British Vogue» und die erste Frau im Hijab an der Miss-Minnesota-Wahl. Nun ist der Amerikanerin mit somalischen Wurzeln ein weiterer Coup gelungen: Sie ist das erste Model mit Hijab und Burkini in der «Swimsuit»-Ausgabe der «Sports Illustrated». «Bikini Babe, Burkini Babe», sagt sie beim Shooting zwischendurch und lacht.

Das Shooting fand am Watamu-Strand statt, in Kenia, im selben Land, in dem Aden im berüchtigten Kakuma-Flüchtlingslager geboren wurde. In einem Video von «Sports Illustrated» steht sie an jenem Strand und findet keine Worte dafür. Sie schwankt zwischen kindlicher Begeisterung und Rührung, spricht darüber, den amerikanischen Traum zu leben und eine Geschichte, die niemand hätte erfinden können. In den sozialen Medien schreibt sie, wie dankbar sie für alles sei. In Interviews mit Magazinen und Zeitungen erzählt sie, wie es war, als junge Frau, die gerne in Modemagazinen blätterte, niemanden zu finden, mit dem sie sich hätte identifizieren können. Aden verhüllt ihr Haar seit ihrer Kindheit. Zum «i-D-Magazin» sagte sie, dass niemand denken solle, sie würde unterdrückt, ihr Hijab sei eine Wahl wie jede andere in der Garderobe, wie wenn sie Schuhe oder Jacke auswähle. Sie findet es unnötig, wenn Leute beim Anblick ihrer Kopfbedeckung Angst kriegen. Sie will lieber Augen öffnen, ihre Religion, ihren Glauben offen zeigen, Stereotypen aufbrechen und für junge Frauen ein Vorbild sein.

Ihre Wandelbarkeit scheint dabei unendlich – von bescheiden bis betörend extravagant. Die Bilder fesseln, sie fesselt.

«Wir glauben, Schönheit kennt keine Grenzen», sagt «Sports Illustrated Swimsuit»-Editorin MJ Day in der Onlineausgabe des Magazins. Sie bezeichnet Aden gar als eine der grossen Schönheiten unserer Zeit – «nicht nur äusserlich, sondern auch innerlich».

Kritische Kommentare

Dass das nicht alle so sehen, war absehbar. «Du weisst verdammt gut, dass man das nicht am Strand trägt und es sogar gefährlich ist, damit zu schwimmen», schreibt ein User auf Instagram zu ihrem «Sports Illustrated»-Foto – darauf liegt sie in blau-türkisem Burkini, der ihre gesamten Arme und Beide bedeckt, im seichten Wasser, auf dem Kopf ein zu einem Knoten gebundenes Tuch, an den Ohren lange, gelbe Ohrringe. «Gut gemacht – der unterdrückenden Seite des Islam Glamour geben», schrieb eine Userin auf Twitter, als Aden vor zwei Jahren auf einem US-Cover zu sehen war. Die Kommentare und Antworten dazu reihen sich ein in eine Liste scheinbar endloser Fragen darüber, was Freiheit bedeutet.

In den jüngst erschienenen Artikeln äussert sich Aden nicht zu diesen negativen Konnotationen ihres Kleidungsstils, spricht sich nicht dagegen aus, dass einige tatsächlich zur Verhüllung gezwungen werden. Aber aus ihren Botschaften liesse sich durchaus auch eine ableiten, die junge Frauen ermutigt, ohne Kopftuch in die Welt zu treten. «Wenn du dich nicht repräsentiert fühlst, sorg selbst dafür.»

Halima Aden beim Shooting für «Sports Illustrated Swimsuit» – «Bikini Babe, Burkini Babe», sagt sie zwischendurch und lacht. Quelle: Twitter

Erstellt: 30.04.2019, 14:27 Uhr

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