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Dann klappts auch mit dem Nachbarn

Ein Kreativkollektiv aus Bern will mit Stickern die soziale Interaktion zwischen Nachbarn fördern – fehlenden Haushaltsgegenständen sei Dank.

Fehlt eine Bohrmaschine, eine Leiter oder ein Hammer? Dank Pumpipumpe muss nichts davon gekauft werden, sofern...
Fehlt eine Bohrmaschine, eine Leiter oder ein Hammer? Dank Pumpipumpe muss nichts davon gekauft werden, sofern...
Meteor Collectif
...einer der Nachbarn mit den entsprechenden Stickern auf dem Briefkasten signalisiert hat, dass er diese Gegenstände hat.
...einer der Nachbarn mit den entsprechenden Stickern auf dem Briefkasten signalisiert hat, dass er diese Gegenstände hat.
Meteor Collectif
Die Nachfrage nach Beamern hält sich in Grenzen, dafür sind Velopumpe und Hammer hoch im Kurs.
Die Nachfrage nach Beamern hält sich in Grenzen, dafür sind Velopumpe und Hammer hoch im Kurs.
Meteor Collectif
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Der Mann ohne Hammer aus Paul Watzlawicks «Anleitung zum Unglücklichsein» hätte sich viel Ärger ersparen können, wenn er das Projekt Pumpipumpe des Berner Designerkollektivs Meteor Collectif gekannt hätte. Die Geschichte geht so. Besagter Mann will ein Bild aufhängen, stellt jedoch fest, dass ihm der Hammer fehlt.

Sein Nachbar hätte vermutlich einen. Ihn könnte er doch fragen. Wobei, gestern hat ihn dieser nicht richtig gegrüsst. Richtig unsympathisch. Bestimmt wird er sich weigern, den Hammer rauszurücken. Womöglich wird er sich überlegen und unverzichtbar fühlen. Je länger der Mann ohne Hammer darüber nachdenkt, desto mehr steigert er sich in seinen Ärger hinein – bis er schliesslich wutentbrannt bei seinem Nachbarn klingelt: «Sie können Ihren Hammer behalten, Sie Rüpel!»

Hinweise am Briefkasten

Wie gesagt. Hätte der Mann ohne Hammer das Projekt Pumpipumpe gekannt, wäre es womöglich nicht so weit gekommen. Es ist eine Art Nachbarschaftshilfe. Die Kreativköpfe von Meteor Collectif haben dazu 32 hellblaue Aufkleber gestaltet, auf denen je ein Gegenstand dargestellt ist: eine Gugelhopfform, ein Fondue-Set, eine Bananenkiste, ein Hammer und so weiter. Wer den entsprechenden Gegenstand im Haushalt hat und nichts dagegen hat, ihn gelegentlich auszuleihen, besorgt sich nun den passenden Aufkleber und klebt ihn an seinen Briefkasten. So sehen die Nachbarn sofort, bei wem sie im Notfall welchen Gegenstand ausleihen können.

«Das Projekt Pumpipumpe setzt sich für einen bewussten Umgang mit Konsumgütern ein», umschreiben die Initianten ihre Idee. Das macht Sinn. Denn wozu für ein einziges Loch in der Wand eine Bohrmaschine kaufen, vor allem, wenn der Nachbar eine hat? Auch wollen die Designer die soziale Interaktion in der Nachbarschaft fördern. Um allfällige Diebe aus dieser sozialen Interaktion fernzuhalten, gibt es keine wertvolleren Gegenstände auf den Stickern als Beamer und Leinwand.

Besonders beliebt: Pumpe, Hammer, Bohrmaschine

Allerdings hält sich die Nachfrage nach den Beamer-Stickern sowieso in Grenzen. «Velopumpe, Hammer und Bohrmaschine werden überdurchschnittlich oft bei uns bestellt», wurde die Illustratorin Sabine Hirsig in der «Berner Zeitung» zitiert. Zudem sollen nun weitere Sticker hinzukommen wie ein Auto, DVDs oder Mixer. Die Sticker sind kostenlos. Möglich machte es die Crowdfunding-Plattform www.wemakeit.ch. Vorige Woche haben die vier Designer ihr Projektziel von 4000 Franken erreicht.

In einer Zeit, in der man seine eigenen Nachbarn nicht mehr persönlich kennt und sich schon gar nicht traut, bei ihnen zu klingeln, ist Pumpipumpe eine sinnvolle wie amüsante Idee. Auch wenn der Kontakt mit den anderen Hausbewohnern oberflächlich bleiben dürfte, entsteht zumindest ein Gespräch, das es sonst vielleicht nicht gegeben hätte. Und solange die Gegenstände nach Gebrauch jeweils brav wieder dem Eigentümer zurückgegeben werden, sollte es mit den Nachbarn auch längerfristig klappen.

Würden Sie Ihrem Nachbarn Ihre Haushaltsgegenstände ausleihen? Würden Sie bei Ihrem Nachbarn klingeln, um sich etwas von ihm zu borgen? Finden Sie nachbarschaftlichen Kontakt wichtig oder überflüssig? Meinungen bitte unten eintragen.

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