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Das falsche Misstrauen

Kommt eine gewaltige Mehrheit in der aufgeklärten Wissenschaft zu einem Befund, ist es nur vernünftig, ihr zu glauben.

MeinungLinus Schöpfer
Eine Studentin hält beim Klimastreik in Erfurt ein Plakat in die Höhe. (15. März 2019)
Eine Studentin hält beim Klimastreik in Erfurt ein Plakat in die Höhe. (15. März 2019)
Jens Meyer, AFP
Quetschen sich alle in eine der schmalen Gassen: In Lissabon gehen die Demonstranten durch die Altstadt. (15. März 2019)
Quetschen sich alle in eine der schmalen Gassen: In Lissabon gehen die Demonstranten durch die Altstadt. (15. März 2019)
Rafael Marchante, Reuters
In Mailand haben die Demonstranten den Platz vor der Kathedrale eingenommen. (15. März 2019)
In Mailand haben die Demonstranten den Platz vor der Kathedrale eingenommen. (15. März 2019)
Matteo Bazzi, Keystone
In Wien haben sich die Demonstranten auf dem Heldenplatz getroffen. (15. März 2019)
In Wien haben sich die Demonstranten auf dem Heldenplatz getroffen. (15. März 2019)
Leonhard Foeger, Reuters
Für einmal geht es nicht um den Brexit: Demonstranten haben sich vor dem House of Parliament für den «YouthStrike4Climate» versammelt. (15. März 2019)
Für einmal geht es nicht um den Brexit: Demonstranten haben sich vor dem House of Parliament für den «YouthStrike4Climate» versammelt. (15. März 2019)
Henry Nicholls, Reuters
Jung und Alt: In Kiew werden die Schüler bei ihrem Streik von Erwachsenen unterstützt. (15. März 2019)
Jung und Alt: In Kiew werden die Schüler bei ihrem Streik von Erwachsenen unterstützt. (15. März 2019)
Gleb Garanich, Reuters
Sie hat den globalen Streik losgetreten: Greta Thunberg geht beim «Global Strike For Future» in Stockholm an vorderster Front mit. (15. März 2019)
Sie hat den globalen Streik losgetreten: Greta Thunberg geht beim «Global Strike For Future» in Stockholm an vorderster Front mit. (15. März 2019)
Henrik Montgomery, Reuters
Schüler singen bei ihrem Klimastreik in Kapstadt. (15. März 2019)
Schüler singen bei ihrem Klimastreik in Kapstadt. (15. März 2019)
Mike Hutchings, Reuters
Normalerweise ist der Platz mit Touristen gefüllt: Die Schüler haben sich in Florenz auf dem Platz vor der Kathedrale Santa Maria del Fiore versammelt. (15. März 2019)
Normalerweise ist der Platz mit Touristen gefüllt: Die Schüler haben sich in Florenz auf dem Platz vor der Kathedrale Santa Maria del Fiore versammelt. (15. März 2019)
Claudio Giovannini, AFP
Wie das Eis in der Sonne: Schüler in Florenz gehen auf die Strasse. (15. März 2019)
Wie das Eis in der Sonne: Schüler in Florenz gehen auf die Strasse. (15. März 2019)
Claudio Giovannini, AFP
Tausende haben sich in Berlin versammelt. (15. März 2019)
Tausende haben sich in Berlin versammelt. (15. März 2019)
Felipe Trueba, Keystone
«Unsere Zukunft ist in euren Händen», sagen sie, an die Politik gerichtet. (15. März 2019)
«Unsere Zukunft ist in euren Händen», sagen sie, an die Politik gerichtet. (15. März 2019)
Annegret Hilse, Reuters
Diese Studentin in Berlin trägt eine Erdenmütze. (15. März 2019)
Diese Studentin in Berlin trägt eine Erdenmütze. (15. März 2019)
Felipe Trueba/EPA, Keystone
Die Proteste gehen auf die schwedische Schülerin Greta Thunberg zurück. (15. März 2019)
Die Proteste gehen auf die schwedische Schülerin Greta Thunberg zurück. (15. März 2019)
Felipe Trueba/EPA, Keystone
Ein Schüler in Berlin blickt traurig aus einer Erdenmaske. (15. März 2019)
Ein Schüler in Berlin blickt traurig aus einer Erdenmaske. (15. März 2019)
Klaus-Dietmar Gabbert/DPA, AFP
Eine Schülerin hält vor dem Kolosseum in Rom ein Plakat in die Höhe. (15. März 2019)
Eine Schülerin hält vor dem Kolosseum in Rom ein Plakat in die Höhe. (15. März 2019)
Remo Casilli, Reuters
Junge Demonstranten haben sich vor dem finnischen Parlament in Helsinki versammelt. (15. März 2019)
Junge Demonstranten haben sich vor dem finnischen Parlament in Helsinki versammelt. (15. März 2019)
Heikki Saukkomaa, Reuters
Nach dem Vorbild von Greta: Schüler jeden Alters haben in Delhi bei einem Sitzstreik mitgemacht. (15. März 2019)
Nach dem Vorbild von Greta: Schüler jeden Alters haben in Delhi bei einem Sitzstreik mitgemacht. (15. März 2019)
Altaf Qadri, AFP
Jugendliche haben sich in Tokio mit ihren Plakaten vor dem Gebäude der United-Nations-Universität stationiert. (15. März 2019)
Jugendliche haben sich in Tokio mit ihren Plakaten vor dem Gebäude der United-Nations-Universität stationiert. (15. März 2019)
Franck Robichon, Keystone
Die Schüler legten in Hongkong mit ihrem Streik gleich einen Teil des Verkehrs lahm. (15. März 2019)
Die Schüler legten in Hongkong mit ihrem Streik gleich einen Teil des Verkehrs lahm. (15. März 2019)
Kin Cheung, AFP
Schüler streiken in Hongkong gegen die Klimapolitik. (15. März 2019)
Schüler streiken in Hongkong gegen die Klimapolitik. (15. März 2019)
Kin Cheung, AFP
Sie spüren die Erderwärmung jetzt schon: Hunderttausende Menschen gingen beim Klimastreik am Freitag in Australien auf die Strasse. (15. März 2019)
Sie spüren die Erderwärmung jetzt schon: Hunderttausende Menschen gingen beim Klimastreik am Freitag in Australien auf die Strasse. (15. März 2019)
Dan Peled, Keystone
Auch in Paris sind Schüler auf der Strasse. (15. März 2019)
Auch in Paris sind Schüler auf der Strasse. (15. März 2019)
Gonzalo Fuentes, Reuters
Auch in Madrid protestieren Schüler. (15. März 2019)
Auch in Madrid protestieren Schüler. (15. März 2019)
Bernat Armangue/AP, Keystone
Ebenso in New York. (15. März 2019)
Ebenso in New York. (15. März 2019)
Johannes Eisele, AFP
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Wenn er skeptisch bleibe gegenüber der Wissenschaft – verhalte er sich dann nicht wissenschaftlicher als die Wissenschaft selbst, die sich einig ist? So Roger Köppel sinngemäss.

Diese Suggestivfrage ist die rhetorische Lanze, mit der Köppel in der Klima-Debatte sticht und stichelt. Mit ihr verteidigt er eine prekär gewordene Position der SVP: Dass der aktuelle Klimawandel nicht erwiesenermassen menschengemacht sei, wir ergo nichts tun müssten. Dass es sich bei den Warnungen der Greta Thunberg um Äusserungen einer kuriosen Apokalyptikerin handle.

Knutti ärgert sich

Bereits die zwischen 1991 und 2011 entstandenen akademischen Klimastudien gingen zu über 95 Prozent davon aus, dass die aktuelle Erderwärmung überwiegend menschengemacht ist. Über 20'000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben jüngst allein im deutschsprachigen Raum eine Stellungnahme zur Unterstützung der Klimaaktivisten unterschrieben. Eine Stellungnahme, die vom ETH-Professor Reto Knutti mitorganisiert wurde.

Knutti über Köppel: «Der Mann verbreitet lange widerlegte Mythen und versteht grundlegende Zusammenhänge nicht. Dass sich zum Beispiel das Klima früher auch geändert hat, ist unbestritten – aber ohne Diskussion der Gründe irrelevant.» Die heutigen Veränderungen vollzögen sich extrem schnell, sagt Knutti, der Mensch sei hauptverantwortlich. «Wir haben es in der Hand, das Problem zu lösen. Eine Kombination von CO2-Emissions-Vermeidung und Anpassung an die Veränderungen kommt uns viel günstiger, als jetzt à la Köppel abzuwarten – und später für all das zahlen zu müssen, was noch schiefgehen wird.»

Hohe Wahrscheinlichkeit muss reichen

Doch was wäre, würde man Köppels Skepsis zu Ende denken? Nun, lebten wir alle im köppelschen Misstrauen, gingen wir bald zugrunde, würden irr an unserer Dauerskepsis.

Denn ohne ein Grundvertrauen in die aufgeklärte Wissenschaft und ihre Expertise ist ein modernes Leben nicht lebbar. Ganz selbstverständlich begnügen wir uns tagtäglich mit sehr hohen Wahrscheinlichkeiten: Wir vertrauen darauf, dass der Zug nach den Grundsätzen der Ingenieurskunst gebaut wurde und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht entgleist. Dass unsere Medikamente getestet wurden und bisher unbekannte Nebenwirkungen sehr unwahrscheinlich sind. Dass uns die Nahrungsmittel aus dem Supermarkt mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht umbringen. Und so weiter.

Ein Anfall von Hybris

Bei neusten Erkenntnissen oder Kommentaren einzelner Forscher ist Skepsis angebracht. Köppels Versuch hingegen, als studierter Philosoph einen langjährigen, vielgeprüften Konsens der Klimawissenschaft im Alleingang beseitigen zu wollen, ist letztlich ein Anfall von Hybris.

Kommt hinzu, dass bei einer gewaltigen Bedrohung wie dem Klimawandel ein Handeln bereits dann sinnvoll wird, wenn die Folgen nicht zu 100 Prozent absehbar sind. Zum Vergleich: Der Asteroid Bennu wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:2700 auf die Erde treffen, am nähesten kommt er unserem Planeten im Jahr 2135. Ein Einschlag ist also noch sehr weit weg und sowieso sehr, sehr unwahrscheinlich. Dennoch beschäftigt sich die Nasa bereits mit der Frage, wie Bennu im Ernstfall abzuwehren wäre.

Ganz anders die Klimakrise. Sie ist weit realistischer, drängender. Wer heute aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz noch Misstrauen und Untätigkeit kultiviert, handelt fahrlässig. Köppel ist der wahre Apokalyptiker im Klima-Umzug.

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