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«Das ist kein englisches Problem»

Der streitbare Soziologe Gunnar Heinsohn sieht die Ursache der englischen Unruhen in einer gut gemeinten, aber verfehlten Sozialpolitik.

Herr Heinsohn, man debattiert derzeit darüber, ob die Ausschreitungen in England Demonstrationen oder gewöhnliche Krawalle sind. Wie sehen Sie das? Es ist das Ergebnis einer sehr wohl gemeinten Sozialpolitik, die in England ihre extremste Ausprägung gefunden hat: junge, meist alleinerziehende Frauen, die wenig qualifiziert sind, nicht arbeiten, keine Steuern zahlen können – und für jedes Kind von den Mitbürgern versorgt werden.

Sie wollen aber nicht sagen, alleinerziehende Mütter sind für die Krawalle verantwortlich? Nein, die Verantwortung liegt nicht bei den Müttern oder Jugendlichen, sondern beim System, das bestimmt, dass jedes Baby vom Bürger bezahlt wird. England hat die höchste Rate alleinerziehender Mütter, die von den Mitbürgern bezahlt werden. Nun haben diese Mütter Söhne und Töchter. Für die Töchter gibt es die Perspektive, durch frühe Schwangerschaften zu Sozialgeld zu kommen. Aber für die Söhne dieser bildungsfernen Familien gilt das nicht. Die können nicht durch Kinderkriegen ihr Leben bestreiten. Wenn diese Söhne die Minimalbildung hinter sich haben, stehen ihnen in der Regel weder sozialer Aufstieg noch berufliche Perspektiven offen. Sie sind dem Anforderungsprofil einer Hightech-Gesellschaft nicht gewachsen. Gleichzeitig wollen sie aber wie alle anderen alles haben – und sehen nun im Weg der Plünderung eine Möglichkeit, ein bisschen was von dem zu bekommen, was sie sich nie selber verdienen könnten.

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