«Das könnte auch eine Trotzreaktion sein»

St. Galler und Thurgauer wollen keine Expo 2027. Der St. Galler Künstler und Verleger Josef Felix Müller sagt, weshalb das so sein könnte – und wie seine Expo ausgesehen hätte.

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St. Galler und Thurgauer haben Nein gesagt zur Expo 2027. Das Projekt stand unter dem Thema «Expedition». Mögen die Ostschweizer keine Abenteuer?
Vielleicht sind sie einfach etwas ängstlich: Sie wollen sich nicht lächerlich machen, fürchten sich davor, einer solchen Aufgabe nicht gewachsen zu sein.

Die Ostschweizer gelten bisweilen als Jammerer, die sich ständig benachteiligt fühlen. Sich vermarkten wollen sie sich nun aber offenbar auch nicht.
Das könnte auch eine Trotzreaktion sein: Vielleicht fühlt sich die Region so sehr am Rand, dass sie für die Schweiz gar kein solches Fest veranstalten will. Nach dem Motto: Wir brauchen den Rest der Schweiz gar nicht, die geben uns ja auch nichts.

Kann es sein, dass die Region schlicht zu heterogen ist für ein solches Projekt?
Ich finde es sehr schwierig, die Ostschweiz zu definieren. Für mich gehört mehr dazu als nur St. Gallen, Thurgau und die beiden Appenzell. In meinen Augen muss man auch den Vorarlberg und Süddeutschland miteinbeziehen.

Sie hätten die Expo also geöffnet?
Ich sah das Konzept von Anfang an als vergebene Chance. Dieses Projekt hätte zeigen müssen, dass die Ostschweiz ein Grenzgebiet ist. Das hätte die Region besser definiert. Im Rheintal etwa ist der Alltag stark nach Österreich ausgerichtet, im Bodenseeraum Richtung Süddeutschland. Von St. Gallen aus ist man fast gleich schnell in München wie in Basel.

Kommentatoren monieren, dass die Expo schlicht zu wenig Gesprächsstoff war.
Das Volk bekam tatsächlich nicht viel davon mit. Man wusste auch nicht so recht, wer die Initianten sind und was die überhaupt wollen. Da war einfach das Konzept des Verbindens. Aber dass Bodensee und Säntis durch das Wasser verbunden sind, liegt auf der Hand. Das ist nicht sonderlich innovativ. Ansonsten war das Projekt nicht fassbar. Es ist schon verständlich, dass hier keine Riesen-Euphorie entstand.

Vorwürfe gab es auch an die Kulturschaffenden der Region. Die hätten sich zu wenig für die Expo starkgemacht.
Ich glaube nicht, dass es grosse Bemühungen gab, die Kultur miteinzubeziehen. Mich hat man einmal zu einer Startersitzung eingeladen, danach nicht mehr.

Grössere Kulturprojekte scheinen es generell schwer zu haben. Im März lehnte der St. Galler Kantonsrat schon das Klanghaus Toggenburg ab.
Das Klanghaus hätte tatsächlich auch diesen Expo-Geist versprüht: Man öffnet sich, holt Klänge aus der ganzen Welt hierher und lädt die Menschen dazu ein, daran teilzuhaben.

Erstellt: 06.06.2016, 20:42 Uhr

Der Künstler und Verleger Josef Felix Müller. (Bild: zvg)

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