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Das Sterben der Götter

Güzin Kar über Harvey Weinstein und Frauen­verachtung, die als schlechte Gewohnheit verharmlost wird.

Güzin Kar
Unsere Kolumnistin Güzin Kar.
Unsere Kolumnistin Güzin Kar.
Keystone

Weinstein ist entlassen, nicht weil seine Firma Miramax herausfand, was er tat, sondern weil wir herausfanden, was er tat. So lautet ein auf Twitter kursierendes Bonmot zu den aktuellsten Ereignissen in Hollywood. Eine unfassbar hohe Zahl von sexuellen Belästigungen, Nötigungen und Vergewaltigungen, die nur dank der jahrzehntelangen Duldung durch die Filmbranche geschehen konnten, wurde publik. Aber haben wir wirklich einfach eines Tages herausgefunden, was Weinstein tat? Oder haben auch wir uns entschieden, es nicht früher zu wissen? Hätten wir, wenn wir Schauspielerinnen in Interviews aufmerksamer zugehört hätten, nicht zumindest ahnen können, was hier vor sich geht? Wollten wir nicht hinsehen, weil wir alle nicht so genau wussten, welche Konsequenzen wir daraus hätten ziehen müssen? Weil wir nicht sicher waren, ob wir danach die von Weinstein produzierten Filme immer noch hätten gut finden dürfen? Ist es, weil unsere Götter sterben, wenn wir erfahren, dass sie nicht nur grosse Filmer, sondern auch grosse Verbrecher sind?

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