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Der traurige Jean-Jacques

Jean-Jacques Rousseau entwarf als moralisch empörter Aussenseiter Gegenbilder einer gerechteren Welt. Als Patentrezept für heutige Demokratien lassen sich seine Schriften allerdings nicht lesen.

Jean-Jacques Rousseau als Sekretär des französischen Botschafters in Venedig, ein Porträt aus dem Jahr 1743. Foto: AKG Images
Jean-Jacques Rousseau als Sekretär des französischen Botschafters in Venedig, ein Porträt aus dem Jahr 1743. Foto: AKG Images

1762, fünfzigjährig und hochberühmt, schreibt er an seinen Freund und Gönner Malesherbes voll galligen Zorns, warum und wie er sich der Welt entzieht: «Erbittert durch die Ungerechtigkeiten, die ich zu erdulden hatte oder deren Zeuge ich gewesen war, oft tieftraurig über die Zerrüttung, in die mich das Beispiel und die Macht der Verhältnisse gestürzt hatten, fasste ich eine Verachtung gegen mein Jahrhundert und gegen meine Zeitgenossen. Da ich fühlte, dass ich in ihrer Mitte nie eine Stellung finden würde, die mein Herz befriedigen könnte, löste ich es allmählich los von der Gesellschaft und gestaltete mir selbst eine andere in meiner Fantasie, die mich umso mehr entzückte, als ich stets ohne jede Mühe und Gefahr in ihr weilen konnte, da sie mir stets sicher und in jeder Gestalt, in der ich sie eben brauchte, zur Verfügung stand.»

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