Die besten Games des 21. Jahrhunderts

Dies ist eine Liste für besorgte Eltern – und für all jene, die kluge und zugleich spassige Spiele suchen.

Von manchen verachtet, von vielen geliebt: GTA.

Von manchen verachtet, von vielen geliebt: GTA.

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2012 erweiterte das Museum of Modern Art (Moma) seine Ausstellung um zwölf Kunstwerke. Es waren zwölf Computerspiele. Das Signal war klar: Das Game, lange als bestenfalls stupide, schlimmstenfalls gewaltfördernde jugendliche Zeitvergeudung abgetan, hatte Eingang gefunden in den Kanon der Hochkultur. Manche Spiele des 21. Jahrhunderts rechtfertigen diesen Entscheid. Andere sind einfach nur verdammt lustig.

20. «GTA 5» (2013)
Wäre Quentin Tarantino in einem Gameladen aufgewachsen statt in der Videothek, dann hätte er wohl Spiele wie «GTA 5» programmiert. Also: Figuren, die smartes Zeug reden, bevor sie losballern. Üble Folterszenen mit Elektroschocks und zertrümmerten Kniescheiben. Zugleich sentimentale Szenerien, cooles Cruisen. Ob das so goutierbar ist, muss jeder selber wissen. In GTA kann jeder denken, was er will, und dorthin fahren, wohin er möchte. Postmoderne eben.
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19. «Candy Crush Saga» (2012)
Als die Computergrafiken sprunghaft besser wurden, überrollten die 3-D-Shooter alle anderen Genres. Dann kam das Smartphone auf – und verhalf den kleinen, simplen Puzzlespielen zum Comeback. Ein eindrückliches Beispiel ist «Candy Crush Saga», allerdings gehört es auch zu den vermeintlichen Gratisspielen, die den Spieler erst anfixen, um ihm dann über In-App-Käufe das Geld aus der Tasche zu ziehen.
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18. «Orbital» (2009)
Hierzulande gibt es eine lebendige Szene von Gameentwicklern, nur sind die Schweizerinnen und Schweizer nicht besonders gut darin, ihre Spiele zu vermarkten. Reto Senn hingegen hatte ein ausgezeichnetes Händchen, oder vielleicht auch einfach viel Glück. Das Spiel «Orbital» seines Unternehmens Bitforge gefiel Steve Jobs so gut, dass es der damalige Apple-Chef bei der Lancierung des iPad persönlich vorführte – wegen des simplen Spielkonzepts und der nach damaligen Verhältnissen beeindruckenden Grafik.

17. «First Strike» (2014)
«First Strike» ist ein Paukenschlag, was das einheimische Gameschaffen angeht. Während man bei GTA bloss den Kleinkriminellen gibt und als wichtigste Aufgabe den inneren Tugendwächter zum Schweigen zu bringen hat, wird man bei diesem Spiel zum Potentaten, der den dritten Weltkrieg vom Zaun bricht. Man schickt Atomraketen los und sieht zu, wie sie um die Erde fliegen, um im gegnerischen Territorium als Atompilz in die Höhe zu steigen. Und auch wenn das Spielprinzip nicht über alle Zweifel erhaben ist, so zeigt sich doch die seltsame Faszination, wenn wir auf dem Handybildschirm mit einer Urangst der Menschheit konfrontiert werden.
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16. «Fortnite» (2017)
Seit drei Jahren grassiert das «Fortnite»-Virus bei Jungs ab 10 Jahren, Eltern verzweifeln, Suchtexperten schlagen Alarm. In diesem Mega-Hit wird man über einer Insel abgeworfen und muss andere Onlinespieler umnieten. Weltweit werden auf Pausenplätzen die «Fortnite»-Moves nachgeahmt und die Outfits der Avatare verglichen – die Fortsetzung des Kults um Markenkleider, aber zum ersten Mal als virtuelle Statussymbole.
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Ein Tanz geht um die Welt: Der «Floss».

15. «Monument Valley» (2014)
Dass Handyspiele nicht schreierisch, kurzlebig, voller Werbung und Abzocktricks sein müssen beweist kein Spiel besser als «Monument Valley». Die poetische Geschichte, die träumerische Musik, die wunderschöne Grafik und die kniffligen 3-D-Rätsel faszinieren noch heute. Zahlreiche Nachahmer versuchten die einmalige Stimmung einzufangen, gelungen ist es bislang nur ansatzweise.
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14. «The Sims» (2000)
Wenn der Neoliberalismus uns im echten Leben nur mehr die Brosamen lässt: In der Lebenssimulation lassen wirs jedenfalls krachen. Flachbildschirm, dickes Sofa, teure Hobbys und so weiter. Aber auch bei den Sims gilt: Wer im Restaurant was Schlechtes isst und danach nicht sofort beim Beizer reklamiert, darf keine Rückerstattung erwarten.

13. «Fifa 2019» (2018)
Der sozialistische Realismus tappte nach der Wirklichkeit des Proletariats. Das Milliardenunternehmen EA Sports will mit seiner Fussballreihe etwas Ähnliches – nebst den üblichen Wahnsinnseinnahmen, versteht sich. Jeweils im Herbst veröffentlicht es die Version fürs nächste Jahr. Jede Version ist ein bisschen flüssiger, lebendiger und individueller und ein weiteres kleines Schrittchen hin zum Hyperrealismus.

12. «Angry Birds» (2009)
Vor 10 Jahren gelang den finnischen Entwicklern von Rovio ein einmaliger Dreisprung. «Angry Birds» war nicht nur ein äusserst gelungenes Handyspiel für zwischendurch, es lehrte uns, dass man auch auf Touchscreens hervorragend spielen kann, und schliesslich machte es uns mit App-Stores und der Idee, für Apps tiefe Frankenbeträge zu bezahlen, vertraut. Das an sich simple Artilleriespiel mit knuffigen Cartoon-Vögeln und -Schweinen blieb keine Eintagsfliege. Es folgten unzählige Nachfolger, eine Partnerschaft mit «Star Wars», TV-Serien, Kinofilme, Softdrinks und alles, was sich Merchandise-Profis so ausdenken können.

11. «Pokémon Go» (2014)
Plötzlich schwärmten sie aus, versammelten sich an Pokéstops, die Köpfe übers Handy gebeugt. Das Pokémon, ein Viech aus den 1990ern, erlebte seine digitale Renaissance. Die Augmented Reality war Alltagsrealität geworden. Mittlerweile ist der Hype abgeflaut. Nur hier und dort sieht man noch welche zusammenstehen oder im Tram ein paar unbedeutende, am Wegrand lagernde Tierchen abräumen, dabei vielleicht von einem shiny Pokémon träumend.
Zum Interview mit dem Mixed-Reality-Experten.

10. «Minecraft» (2009)
Hier erforschen die Spieler aus der Ich-Ansicht eine aus Blöcken zusammengesetzte Welt, die sich umbauen lässt. Klingt langweilig? Von wegen: keine Story, keine Highscores und keine Belohnungen – dafür grenzenlose Gestaltungsfreiheit und keine nervigen Mitspieler. Dieser pixeligen Robinsonade verfielen Anfang der Zehnerjahre Abermillionen Menschen. 2004 verkaufte «Minecraft»-Erfinder Markus Persson das Game an Microsoft, für 2,5 Milliarden Dollar.
Zum Porträt.

9. «Watch Dogs» (2014)
Ein Held, der ständig an seinem Handy herumfingert, ist das nicht etwas lächerlich, weil allzu zierlich? Dieses Game überzeugte die Welt vom Gegenteil. Als begnadeter Hacker hackt der Spieler Codes und Ampeln, Kameras und Chats – und spürt die Allmacht des Smartphones.
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8. «Far Cry 3» (2012)
Herrlich primitiver Shooter, in dem man sich frei durch einen tropischen Archipel bewegt, wo man in aller Seelenruhe Wildtiere erlegen und häuten kann. Einzige Störung sind die bewaffneten Bösewichte, die sich aber meistens hinterrücks erdolchen lassen, sodass man sich wieder der Jagd und den kraftspendenden Heilpflanzen widmen kann.
Zum Beitrag.

7. «Bioshock: Infinite» (2013)
Noch immer eine der seltsamsten Gamewelten, halb Steampunk-Weltausstellung, halb heruntergekommener Küstenkurort, also irgendwas zwischen New Jersey und einer böse ausgearteten Herbstmesse. Bekannt dafür, dass die Gefährtin Elizabeth weit mehr sein darf als eine Prinzessin, die der Spieler retten muss (das muss er allerdings auch tun).

6. «Anno 1404» (2009)
Inseln besiedeln im Spätmittelalter, wer will das nicht? Dieses Aufbauspiel aus deutscher Schmiede befriedigt alle Eroberungsgelüste. Am schönsten ist es aber, einem vollgeladenen Handelsschiff zuzusehen, wie es bei prächtigem Wetter auf den Kontor zusteuert und Kaffee und Kleidung ablädt. Da freuen sich die Patrizier.

5. «Don't Starve» (2013)
Irgendwann gings nur noch ums Überleben. Nach 2010 begannen die Survial-Games zu boomen. Spiele also, in denen man nicht kontinuierlich aufstieg in immer höhere, schönere Level, sondern in denen man seine Figur einfach irgendwie über die Runden bringen musste. Klar, da lässt sich viel hineininterpretieren: Die Subprimekrise zum Beispiel oder die Migrationskrise. «Don't Starve» ist jedenfalls das beste von allen. Wunderschöner Cartoon-Look, ausgeklügeltes Spielsystem, kurioser Humor. Und man lasse sich nicht täuschen: Wenn nach einem langen Winter die Blumen wieder spriessen und man noch zwei Beef-Jerkys neben dem Zelt hängen hat, ist das kein kleines Glück.
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4. «Papers Please» (2013)
Bürokratie bestimmt unser Leben, doch Bürokratie ist unsichtbar, nicht wahr? Nicht so in diesem Spiel, in dem man einen Grenzbeamten spielt, dessen Lohn kaum zum Leben reicht. Soll man die Whistleblowerin mit dem korrekten Pass passieren lassen, sich damit aber eventuell Ärger einhandeln? Was ist mit der Geliebte des Kollegen, die fast, aber eben nicht ganz alle Dokumente beieinander hat? Und dem niedergeschlagenen Flüchtling, dessen Papiere ungültig sind? Nein, Humanität ist kein Give-away.
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3. «Façade» (2005)
Eine Cocktailparty in New York. Trip und Grace, ein mondänes Pärchen, haben in ihr Apartment geladen. Tolle Aussicht auf die City, moderne Kunst an den Wänden, volle Gönnung. Als altruistisch veranlagter Partygast versucht man die kaputte Beziehung der beiden zu retten. Oder man lässt die Sache als fieser Einflüsterer erst richtig eskalieren. Dabei stehen nicht wie gewohnt drei, vier vorformulierte Sätze zur Auswahl. Sondern man kann frei tippen und damit sagen, was man will. Und, oh, Wunder der KI: Es funktioniert, man interagiert.

2. «Spec Ops: The Line» (2012)
Es ist ja nicht so, dass Shooter-Games ein besonders ausgebildetes politisches Bewusstsein hätten. Anders hier, der Spieler bewegt sich als amerikanischer Elitesoldat durch ein vom Wüstensand ersticktes Dubai, wo er harte Entscheidungen fällen muss und in paranoide Zustände gerät – eine gnadenlose spieltheoretische Reflexion über die Simulation von Krieg und die Position des Gamers, und laut dem Entwickler inspiriert von «Heart of Darkness». Kurz: War kein kommerzieller Erfolg.

1. «Stanley Parable» (2013)
Der Erzähler, der sonst ein so hübsches Oberklassen-Englisch spricht, ärgert sich. «Sind Sie noch immer in der Besenkammer drin?!» Zugegeben, es ist ja tatsächlich nur eine Besenkammer. Und sie hat nichts, aber auch gar nichts mit der Geschichte des genialen Spiels «Stanley Parable» zu tun, das den Bürolisten Stanley eines Morgens entdecken lässt, dass alle anderen Bürolisten das Büro verlassen haben. Bleibt man als Stanley noch eine Weile in der Kammer, beginnt die Stimme aus dem Off zu fluchen wie ein wütender Märchenonkel: «Stanley war fett und hässlich und richtig, richtig dumm. Wahrscheinlich bekam er den Job nur wegen Familienbeziehungen.» Das Spiel, programmiert von Davey Wreden, führt nicht nur den unzuverlässigen Erzähler, sondern auch den cholerischen Erzähler in die Gamekunst ein.
Zum Porträt.

Diese Auswahl und ihre Reihenfolge ist natürlich subjektiv. Welche Games hätten Sie gewählt? Bitte Vorschläge unten in der Kommentarspalte eintragen!


Hier finden Sie alle unsere Top 20

Erstellt: 02.12.2019, 16:28 Uhr

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