Macron und die falschen Freunde

Emmanuel Macron bezeichnete die Gattin des australischen Premiers als «lecker». Auch andere Spitzenpolitiker gingen schon in die Sprachfalle.

Hand in Hand: Emmanuel Macron posiert mit Australiens Regierungschef Malcolm Turnbull und dessen Frau Lucy.

Hand in Hand: Emmanuel Macron posiert mit Australiens Regierungschef Malcolm Turnbull und dessen Frau Lucy.

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Emmanuel Macron, der charismatische französische Staatspräsident, auf Staatsbesuch in Australien, hat sich bei Ministerpräsident Malcolm Turnbull für den herzlichen Empfang bedanken wollen. Er dankte, nun wörtlich auf Englisch, «you and your delicious wife». Ein kleiner Fauxpas – denn delicious bedeutet «köstlich, lecker». Auf eine Frau anwenden dürfen das nur Kölner im Karneval («lecker Mädche»), alle anderen geraten sofort unter #MeToo-Verdacht.

Natürlich nicht der galante Macron, dem man sofort abnimmt, dass er «délicieux» (reizend) gemeint hatte und, statt das englische «delightful» zu nehmen, in die Falle eines «faux ami», eines «false friend» getreten war. Falsche Freunde: Das sind Wörter, die in zwei verschiedenen Sprachen gleich oder sehr ähnlich klingen, aber sehr verschiedenes bedeuten. Die Sprachwissenschaftler nennen sie «Kognaten», was auf die gemeinsame Herkunft hindeutet. Fehlt diese, spricht der Linguist von «falschen Kognaten» – etwa bei italienisch «caldo», das mitnichten «kalt» bedeutet.

Das englische Vokabular ist voll von Wörtern romanischen Ursprungs und deshalb eine Quelle möglicher Missverständnisse, etwa bless=segnen, aber blesser=verletzen; sensible=vernünftig (engl), aber frz. empfindsam; corps=Körper (frz), aber engl. Leiche.

Eine «journey» ist eine Reise, «journée» ein Tagesablauf; «money» heisst Geld, «monnaie» aber nur Kleingeld oder, auf gut schweizerisch, Münz. Eine «librairie» ist eine Buchhandlung, eine «library» aber eine Bibliothek. Und so fort. Emmanuel Macrons Vor-Vorgänger Nicolas Sarkozy ging in die Faux-ami-Falle, als er sich bei einem Staatsgast für das Wetter entschuldigten wollte und «I am sorry for the time» sagte – «temps» heisst auf Französisch «Wetter», aber auch «Zeit».

Wir Deutschsprachigen können auch ganz schön hereinfallen, wenn wir etwa das französisch neutrale «visage» als abwertende Visage verstehen. In einer Apotheke eine «tablette» wünschen – darunter versteht der Franzose ein Regalbrett. Wer in einer Konditorei «Je veux un baiser» sagt, wird vergnügtes Grinsen ernten – das Gewünschte heisst dort «meringue», «baiser» aber Kuss. Wer schliesslich in einem englischen Pub «can I become a beer» fragt, bekommt «certainly not» zur Antwort – oder gleich schallendes Gelächter.

«Public women»

Aber da sind wir schon bei den Wort-zu-Wort-Übersetzungen angelangt, die Anfängern suggerieren, sie beherrschten die fremde Sprache doch schon ganz ordentlich. Da heute alles öffentlich und viral ist, amüsiert sich dann die gesamte Youtube-Welt über Sprüche wie «We are all sitting in one boat» des einstigen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günter Oettinger. «My political is in the center of the political» hat der österreichische Politiker Ernst Strasser gesagt – wobei schon schwieriger ist zu deuten, was er wohl gemeint hat.

Adolf Muschg hat in einer Erzählung einen Schweizer Politiker namens Louis Halbherr erfunden, der auf einer Familienminister-Konferenz alle anwesenden Frauen beleidigte, indem er von «public women» (also Huren) sprach. Nicht alle derartigen Missgriffe sind allerdings knallhart zu verifizieren. So weiss man nicht, ob «You can say you to me», das Duz-Angebot von Helmut Kohl an Ronald Reagan, wirklich so gesagt worden ist. Das allerberühmteste einschlägige Zitat, «Equal it goes loose», das der deutsche Bundespräsident Heinrich Lübke zur englischen Queen gesagt haben soll, ist jedenfalls eine Erfindung hämischer «Spiegel»-Redaktoren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.05.2018, 14:50 Uhr

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