Die Zauberin aus Schwamendingen

Für «Forbes» gehört Philomena Schwab zu den grössten Digital-Talenten – in Europa.

Im Studio: Schwab erklärt ihre Arbeit. (Video: Lea Blum)

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Sebastian Tobler findet die Kollegin mit den sieben Vornamen ziemlich verdächtig. Der Zürcher Gamedesigner vermutet, Philomena Schwab verfüge über magische Kräfte. «Manchmal scheint sie im Besitz eines Time-Turners zu sein.» Der «Time-Turner» ist ein Amulett in «Harry Potter», das die Zeit zurückdreht und so erlaubt, an einem anderen Ort zusätzlich einzugreifen. Was Tobler meint: Schwab scheint überall zu sein. Sie reist von Kongress zu Ausstellung, gibt Interviews und referiert an Konferenzen. Ihre Hyperaktivität machte sie in den letzten Jahren zur wichtigsten Botschafterin der Schweizer Gamedesigner.

Nun ist auch «Forbes» auf die Zürcherin aufmerksam geworden: Das Wirtschaftsmagazin zählt sie zu Europas 30 wichtigsten Technologie-Cracks unter 30. Ein Aufsteller nach einem harten Arbeitstag sei die «Forbes»-Mail gewesen, sagt die 28-Jährige, die seit drei Monaten ein eigenes Game-Studio im Kreis 5 leitet. Aufgewachsen ist Schwab in einer Grossfamilie in Schwamendingen, die ihr auch die vielen Vornamen gab. Ihre Mutter arbeitet mit lernschwachen Kindern, ihr Vater ist Verkäufer. Mit neun Jahren bekam sie einen Game Boy – «dann ging es los». Sie habe als Kind verstanden, wie ein Buch oder ein Bild entsteht, aber Games seien ihr als pure Magie erschienen. «Und ich wusste nicht, wie man Zauberer werden kann.» Nach der Matura begann Schwab ein ZHDK-Studium in Gamedesign, es folgten Praktika, unter anderem beim renommierten Zürcher Blindflug-Studio.

Sie lebt vom Game

Ihre Abschlussarbeit ist das Game «Niche», das von der Züchtung einer überlebensfähigen Tierart handelt. Es verbindet Schwabs Begeisterung für Comics mit derjenigen für Genetik. Schwab ist überzeugt von der Indie-Philosophie, der zufolge nicht riesige Teams, sondern Einzelpersonen programmieren sollten – die Gamedesignerin als Autorin, deren Werk die Persönlichkeit spiegelt. Als es um die Finanzierung und die Vermarktung von «Niche» ging, zahlte sich Schwabs Netzwerk aus: Über die Sammel-Site Kickstarter.com holte sie weit mehr Geld herein als erwartet. Gezielt hatte Schwab die nischigen Web-Foren besucht, wo sie mögliche Anhänger ihres «genetics survival games» vermutete. Echte Fans seien wertvoller als jedes Werbebanner, sagt sie.

Sie muss es wissen, kann sie doch bereits jetzt von den globalen Online-Erlösen von «Niche» leben – und das, obwohl das Spiel erst im Sommer fertig wird und bisher nur als Testversion gekauft werden kann. Nein, den Verdacht der digitalen Zauberei wird Philomena Naomi Om-Chanti Cosma Ruben Rahel Anastasia Schwab so schnell nicht los. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.01.2017, 15:31 Uhr

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