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Die Untergeher

Einerlei, ob nun Hollande oder Sarkozy gewählt wird: Die Wirtschaftskrise schwelt weiter. Und die Sprache der Apokalypse boomt – wenn ein Analyst sie einmal im Mund geführt hat, muss er auf den Crash hoffen.

Die Zahl der Apokalyptiker wächst, je länger eine Krise dauert: Ein Investor betrachtet am 23. Januar in Shanghai die Börsenkurse.
Die Zahl der Apokalyptiker wächst, je länger eine Krise dauert: Ein Investor betrachtet am 23. Januar in Shanghai die Börsenkurse.
Keystone
Die letzte grosse Wirtschaftskrise: Arbeitslose im New York der 1930er-Jahre.
Die letzte grosse Wirtschaftskrise: Arbeitslose im New York der 1930er-Jahre.
Keystone
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Eigentlich ist das alles ja ungeheuer abstrakt. Es geht um zwölfstellige Staatsschulden, um Obligationen und Derivate, um A+ und B– und immer und immer wieder um Börsenkurse, diese genialische virtuelle Reduktion ganzer Unternehmen und Nationen auf einen – Strich.

Doch es scheint, als ob gerade die enorme Komplexität der Finanzmärkte mit ihren scharfsinnigen Softwareprogrammen und ihren abgefeimten juristischen Winkelzügen die Analysten der Medien und die Pessimisten der Stammtische dazu zwinge, auf archaische, biblische Bilder zurückzugreifen: Die Schwierigkeit, die Dimensionen des befürchteten Eurocrashs in Worte zu fassen, drängt den Begriff der Apokalypse auf; zur Erklärung der institutionellen Obligationenhändler und deren schwer durchschaubaren Tuns werden jene furchterregenden vier Reiter herangezogen, die der Bibel zufolge am Weltende über die Menschen richten; der als unheilvoll empfundene Markt wird mit dem grässlichen Drachen aus der siebten johannischen Vision verglichen.

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