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Dirigent wegen Putins Schwulen-Politik unter Beschuss

Waleri Gergijew, der künftige Chef der Münchner Philharmoniker und Putin-Freund, muss sich weltweit Protesten stellen.

Eng verbandelt: Dirigent Waleri Gergijew (links) und Wladimir Putin eröffnen den 14. Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau (Juni 2011).
Eng verbandelt: Dirigent Waleri Gergijew (links) und Wladimir Putin eröffnen den 14. Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau (Juni 2011).
Keystone

Neben der Sopranistin Anna Netrebko ist Stardirigent Waleri Gergijew einer der wichtigsten musikalischen Botschafter seines Heimatlandes - und ein enger Vertrauter von Russlands Staatspräsident Wladimir Putin. Die Nähe zu dem umstrittenen Politiker, der den Künstler sogar zum «Helden der Arbeit» ernannte, ist Gergijew jetzt zum Problem geworden.

Aktivisten der schwul-lesbischen Szene hatten bereits am Rande von Gergijew-Auftritten in New York und London gegen Putins homophobe Politik demonstriert. Nun stehen dem Maestro auch in München Proteste ins Haus. Für den 18. Dezember hat die Wählerinitiative Rosa Liste zu einer Demonstration vor der Philharmonie aufgerufen. Motto: «To Russia with Love!» An diesem Abend wird Gergijew in der Münchner Philharmonie mit seinem künftigen Orchester ein Strawinsky-Programm aufführen.

Faule Ausrede?

Als Gergijew und Netrebko Ende September an der New Yorker Met mit Peter Tschaikowskis Oper «Eugen Onegin» die Saison eröffneten, demonstrierten Aktivisten der schwul-lesbischen Szene lautstark gegen ein von Putin unterschriebenes Gesetz, mit dem die Unterstützung von «nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen» unter Strafe gestellt wurde. Die Vorschrift verbietet es, in Gegenwart von Minderjährigen positiv über Homosexualität zu reden.

Der künftige Chef der Münchner Philharmoniker habe Putins repressive Gesetzgebung mit der Einlassung verteidigt, das umstrittene Gesetz ziele nicht auf Homosexuelle, sondern auf Pädophile, heisst es jetzt in dem Aufruf zu der geplanten Münchner Demonstration. Damit verleugne er die «Hass- und Verfolgungspolitik» gegenüber Schwulen und Lesben.

Streitet alles ab

Das Münchner Kulturreferat verwies auf eine Stellungnahme, die der Dirigent Anfang November nach Protesten in London auf Facebook veröffentlicht hatte. Er habe als langjähriger Chef des St. Petersburger Mariinski-Theaters «niemals irgendjemanden diskriminiert», schrieb Gergijew.

Der Dirigent bestritt, die antischwule Gesetzgebung der russischen Duma jemals unterstützt zu haben. «Ich bin Künstler und arbeite seit drei Jahrzehnten mit Zahntausenden von Menschen aller Nationen und Lebensweisen zusammen. Viele von ihnen sind echte Freunde geworden.»

Auch die Münchner Philharmoniker veröffentlichten auf ihrer Homepage ein Bekenntnis gegen «Diskriminierung und Rassismus». Zusammen mit anderen Kulturschaffenden stehe man für «das demokratische, weltoffene und multikulturelle München, in dem respektvoll miteinander umgegangen» werde.

Auch Tschaikowski war schwul

Damit hofft man wohl, einen Eklat wie in der New Yorker Carnegie-Hall zu vermeiden . Dort riefen Aktivisten bei einem Auftritt Gergijews ins Auditorium: «Your silence is killing russian gays!».

An diesem Abend standen Igor Strawinskis Ballette «Der Feuervogel» und «Petruschka» auf dem Programm. Beide Werke waren von dem russischen Impresario Sergej Djagilew (1872-1929) herausgebracht worden. Djagilew, der legendäre Leiter der Ballets Russes, war schwul, ebenso wie Russlands Nationalkomponist Tschaikowski.

SDA

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