Ein Selfie mit Warhol

Lange Zeit war es verboten, Werke in Museen zu fotografieren. Heute ist es in Zürich fast überall erlaubt.

Eine Besucherin macht ein Selfie mit Andy Warhols erstem Selbstporträt. Durch Smartphones und die Selfie-Kultur ist es fast unmöglich geworden, Aufnahmen von Werken in Museen zu verbieten.

Eine Besucherin macht ein Selfie mit Andy Warhols erstem Selbstporträt. Durch Smartphones und die Selfie-Kultur ist es fast unmöglich geworden, Aufnahmen von Werken in Museen zu verbieten. Bild: Andy Rain/Keystone

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Seit dem 16. Juni 2017 hat das Kunstmuseum Basel eine neue Hausordnung. Die grösste Änderung findet sich unter Punkt 12: «Fotografieren mit Mobiltelefonen sowie Kompaktkameras ohne Blitzlicht, Stativ oder Selfie-Stick ist für private Zwecke gestattet (Ausnahmen sind gekennzeichnet). Professionelle Foto- und Filmaufnahmen benötigen eine Erlaubnis der Direktion.»

Das Datum war kein Zufall, sondern fiel auf die Eröffnung der 47. Ausgabe der Kunstmesse Art Basel. Das Verbot im Kunstmuseum Basel wurde aufgehoben, da sich die Fragen an das Aufsichtspersonal häuften und keine klare Begründung zum Verbot existierte, erklärte Karen N. Gerig, Verantwortliche für die Kommunikation im Kunstmuseum Basel gegenüber der «Basellandschaftliche Zeitung». Zudem sei es heutzutage mit den Smartphones fast unmöglich geworden, jeden Besucher zu kontrollieren.

Wie gefährlich ein Selfie im Museum sein kann, zeigte der Zwischenfall im «The 14th Factory» in Los Angeles Mitte Juli dieses Jahres. Eine junge Dame verlor beim Versuch, ein Selfie zu schiessen, das Gleichgewicht und verursachte damit einen Schaden in Höhe von 200'000 US-Dollar.

Quelle:CBS New York

Viele Museen haben Verbote abgeschafft

In den Zürchern Museen verhält es sich ähnlich. Aufnahmen von Werken im Kunsthaus Zürich seien erlaubt, sagt Kristin Steiner von der Pressestelle des Kunsthaus Zürich – nur ohne Blitzlicht und Stativ. Dies diene der Sicherheit der Werke, da ein Stativ umfallen und Blitzlicht Werke beschädigen könnte. Die Aufhebung des Verbots sei schon vor längerem eingeführt worden.

Prinzipiell eine ähnliche Politik fährt auch das Museum Haus Konstruktiv, so Larissa Ullmann. «Viele Leihgeber lehnen jedoch Fotografien aus konservatorischen oder urheberrechtlichen Gründen ab. Diese Ausnahmen werden bei uns gekennzeichnet», sagt sie.

Auch in der Kunsthalle Zürich sei die Fotografie «grundsätzlich in Ordnung, solange es im Rahmen des privaten Gebrauchs stattfindet», sagt Lily-Pauline Koper von der Administration der Kunsthalle. Trotzdem werde der Entscheid von Ausstellung zu Ausstellung gefällt, da teils Leihgaben präsentiert werden, die beispielsweise heikel auf Blitzlicht reagieren könnten.

Urheberrechte als Grund für Verbote

Nicht erlaubt ist die Fotografie hingegen im Migros-Museum für Gegenwartskunst, sagt Kurator Raphael Gygax. Dieser Entscheid sei gefällt worden, da das Museum hauptsächlich zeitgenössische Kunst zeige und demnach das Copyright noch nicht verfallen sei. Die Besucher werden «einerseits von einer Signaletik und andererseits von unseren Aufsichten» auf das Fotografieverbot aufmerksam gemacht – Ausnahmen vom Verbot gebe es.

Auch in der Fondation Beyeler wird man beim Eingang auf das Verbot aufmerksam gemacht. Silke Kellner-Mergenthaler, Head of Communications, sagte gegenüber der «Basellandschaftliche Zeitung», das Fotografieren der sammlungseigenen Kunstwerke sei gestattet, bei temporären Ausstellungen sei die Erlaubnis vom Leihvertrag des Werkes abhängig. Doch auch bei ihnen gilt: Zum Schutz der Kunstwerke sind weder Stativ noch Objektiv erlaubt.

Um vom Werbeeffekt in den sozialen Medien trotzdem profitieren zu können, arbeitet die Fondation Beyeler mit kunstaffinen Bloggern und Influencern zusammen, die zu gewissen Ausstellungen eingeladen werden. Eine Möglichkeit, die im Migros-Museum für Gegenwartskunst zumindest diskutiert werde, sagt Raphael Gygax.

Erstellt: 02.08.2017, 16:25 Uhr

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