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Er hat Neger gesagt

Güzin Kar über einen Diskurs, der auf der Entwicklungsstufe eines Kleinkindes steht.

In seinem Porträt des Washingtoner Kinder-Entertainers Eric Knaus, der unter dem Namen Zucchini auftritt und zum Star der Szene avancierte, obwohl er weder Zauberei noch Artistik beherrscht, schreibt der amerikanische Journalist Gene Weingarten: «Er benimmt sich wie kein anderer Erwachsener in der Welt dieser Kinder und macht sich zum dämlichen Opfer jedes Gags. Er hält eine Banane für ein Telefon und spricht hinein. Er findet das Geburtstagskind nicht, wenn das Geburtstagskind direkt neben ihm steht. Jedes Kind, das ihm zuschaut, ist klüger als der Grosse Zucchini; er verleiht ihnen diese Macht über ihre Ängste.»

Und das Zielpublikum, Kinder zwischen zwei und sechs Jahren, beschreibt er so: «Sein (des Kindes) Humor ist nicht mehr babyhaft, aber auch noch nicht wirklich scharfsinnig. Es fehlt ihm an Wissen, nicht an Empfindungen. Die zentrale Realität in seiner Welt – und das zentrale Grauen, das es zu bewältigen gilt – ist seine eigene Ohnmacht.» Auf der Ebene des kollektiven Diskurses scheinen wir seit einigen Jahren in genau jener Entwicklungsstufe des Kleinkindes festzustecken: Es ist viel Emotion vorhanden, aber wenig Wissen. Die Ohnmacht gegenüber der immer undurchdringlicher werdenden Weltlage, die eigene Abhängigkeit von unbenennbaren Zusammenhängen lässt als einzige Waffe das Gefühl der Überlegenheit zu, sobald sich ein Vertreter der Macht auf der Bühne danebenbenimmt.

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