Er will doch nur zum Nachdenken anregen

Der japanische Gamedesigner Hideo Kojima ist ein Star der Szene – und landet seinen neuesten Streich.

Das Publikum liebt ihn und seine Kreationen: Hideo Kojima. Foto: Getty

Das Publikum liebt ihn und seine Kreationen: Hideo Kojima. Foto: Getty

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Als Hideo Kojima am Montagabend in Köln die Bühne betritt, flippt die Menge aus, die bis zu diesem Zeitpunkt eine Show ohne Höhepunkte an der Gamescom Opening Night gesehen hat. Nun aber ist er da: der Star auf der grössten Computerspielemesse der Welt. Rund 1500 Menschen springen auf, jubeln, zücken ihre Smartphones und versuchen, einen Blick auf den zierlichen Japaner mit der Beatles-Frisur zu erhaschen. Allein die grauen Flecken im Dreitagebart Kojimas verraten, dass er bereits 55 Jahre alt ist und zu den Pionieren der Gaming-Branche zählt.

1986 entwickelt er als 23-Jähriger sein erstes Spiel für den japanischen Hersteller Konami. Ein Jahr später erscheint unter seiner Leitung das erste «Metal Gear»-Spiel. Seinerzeit schaut der Spieler noch von oben auf die zweidimensionale Szenerie, er kontrolliert einen Agenten mit dem Codenamen Solid Snake und muss möglichst unbemerkt an pixeligen Wachen vorbeischleichen. Der dritte Teil der Spielereihe bringt Kojima 1998 den internationalen Durchbruch, dann schon in 3-D. Bis 2015 folgen weitere sieben Spiele. Die Serie ist bis heute bei Fans vor allem für ihre ikonische Erzählweise, den ungewöhnlichen Humor und die hollywoodartigen Zwischensequenzen beliebt.

Mads Mikkelsen und Léa Seydoux haben Auftritte

Doch es gibt auch einen Knick im Lebenslauf: 2011 steigt Kojima zum Vizepräsidenten von Konami auf, nur vier Jahre später kommt es zum Zerwürfnis mit dem Unternehmen. Nach der Trennung macht Kojima sein eigenes Entwicklerstudio auf. «Death Stranding», das Anfang November erscheinen soll, ist das erste Spiel des Studios. In «Death Stranding» schlüpft der Spieler in die Rolle von Sam, der als eine Art Lieferbote im Wilden Westen einer dystopischen Zukunft arbeitet. Die Menschen in dieser Welt leben isoliert, Sams Auftrag ist es, die Gesellschaft wieder zusammenzuführen. Eine politische Botschaft will Kojima nach eigener Aussage damit aber nicht vermitteln. «Es geht mir nicht darum, den Trend des Individualismus, den wir aktuell weltweit sehen, positiv oder negativ zu bewerten», sagt er. «Ich will nur zum Nachdenken anregen.»

Kojima hat sich für seinen neusten Wurf die Gesichter bekannter Hollywood-Schauspieler geliehen: Norman Reedus («The Walking Dead») verkörpert die Hauptfigur Sam, Mads Mikkelsen und Léa Seydoux (beide James Bond) schlüpfen in kleinere Rollen. Dass es dabei um den Starfaktor geht, bestreitet der japanische Entwickler. Fest steht aber auch: Der Aussenwirkung seines Spiels hat die zusätzliche Prominenz nicht geschadet.

Kojima steht breit lächelnd auf der Bühne. Er hat das Publikum in der Hand: Es stöhnt, wenn er sagt, dass er erste Spielszenen aus «Death Stranding» erst zur Tokio Game Show Mitte September präsentieren will. Es jauchzt, wenn er dennoch einen kurzen Film mit Szenen aus dem Spiel präsentiert. Und es lacht an den passenden Stellen – wenn zum Beispiel gleich am Anfang klar wird: Zum Spiel gehört, dass der Protagonist Sam auch mal eben in die Steppe pinkeln muss. Und auch wenn die Besucher auf der Messe «Death Stranding» nicht ausprobieren können, sind das Spiel und sein Entwickler – so viel steht fest – einer der Höhepunkte.

Erstellt: 20.08.2019, 18:22 Uhr

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