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«Unbedingt» eine Bundesrätin – wirklich?

Warum Feministinnen manchmal Männer wählen sollten.

Möchte für die FDP in den Bundesrat: Nationalrätin Isabelle Moret. (21. August 2017)
Möchte für die FDP in den Bundesrat: Nationalrätin Isabelle Moret. (21. August 2017)
Keystone
«Lean in» ist ihr Slogan: Facebook-Chefin Sheryl Sandberg. (18. Januar 2017)
«Lean in» ist ihr Slogan: Facebook-Chefin Sheryl Sandberg. (18. Januar 2017)
Keystone
Feministische Ikone, von einem Investment Fonds gesponsert: Das «Fearless Girl». (8. März 2017)
Feministische Ikone, von einem Investment Fonds gesponsert: Das «Fearless Girl». (8. März 2017)
Keystone
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Der Ton ist harsch. Der Verein Frauenrechte beider Basel fordert, «dass am 20. September 2017 unbedingt eine Frau in den Bundesrat gewählt wird». Und fügt an: «Alle andern Überlegungen betreffend Landesregion, Sprache usw. sind zweitrangig.»

Die Pressemitteilung wurde Anfang Woche veröffentlicht, blieb allerdings ohne Resonanz. Wohl deshalb, weil sie niemanden überraschte. Sie ist auf Linie mit der wichtigsten feministischen Strömung dieser Tage, dem feministischen Symbolismus. Dieser beschäftigt sich hauptsächlich mit der Suche nach Vorbildern und Zeichen. Es geht um Facebook-Chefin Sheryl Sandberg als Frau, die «es geschafft» hat im Silicon Valley. Um den Pussy Hat als Marker antisexistischen Protests. Um die Statue eines Mädchens vor der New Yorker Börse, die von einem cleveren Investment Fonds gesponsert wurde und als Signal weiblicher Ermächtigung gefeiert wird («Fearless Girl»). Oder eben um die Zahl der weiblichen Bundesräte. Vier oder mehr sind gut, weniger als vier gelten als verbesserungswürdig.

Der Basler Frauenrechtsverein fordert eine Frau, welche, ist ihm egal. Es könnte Isabelle Moret sein oder Tamara Funiciello oder Magdalena Martullo-Blocher. Hauptsache Frau. Hauptsache, der Bundesrätinnen-Zähler schnellt in die Höhe. Der feministische Symbolismus überschätzt die Macht der Zeichen und unterschätzt die Bedeutung der konkreten Politik, also zum Beispiel: Wer sorgt dafür, dass Frauen und Männer bei gleicher Qualifikation endlich die gleichen Löhne bekommen? Wer fördert Teilzeitarbeit? Wer ahndet Sexismus? Wie viel Urlaub gibts nach der Geburt für Mutter und Vater?

Es geht im Feminismus fast immer um Fragen der Regulierung oder der Subventionierung. Eigentlich müsste der Verein Frauenrechte beider Basel linke Männer rechten Frauen vorziehen.

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