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Geht die Welt am falschen Wort zugrunde?

Warum der Begriff «Klimawandel» viel zu harmlos ist.

Das Eis schmilzt: Aletschgletscher. (28. August 2015)
Das Eis schmilzt: Aletschgletscher. (28. August 2015)
Reuters
Kein Vertrauen mehr in die gegenseitigen Beziehungen: US-Präsident Donald Trump und Angela Merkel am offiziellen G-7-Fototermin im Teatro Greco in Taormina. (27. Mai 2017)
Kein Vertrauen mehr in die gegenseitigen Beziehungen: US-Präsident Donald Trump und Angela Merkel am offiziellen G-7-Fototermin im Teatro Greco in Taormina. (27. Mai 2017)
AP Photo/Evan Vucci, Keystone
Trump und Macron umarmen sich zur Begrüssung. (26. Mai 2017)
Trump und Macron umarmen sich zur Begrüssung. (26. Mai 2017)
AP Photo/Andrew Medichini, Keystone
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Man steht in der Wüste und wartet auf Regen, und allmählich verblasst das letzte Wölkchen am Himmel. So fühlte sich das jüngste G-7-Treffen an. Es machte Hoffnungen zunichte, die nach der Pariser Klimakonferenz 2015 aufgekommen waren; Donald Trump blockte ab. Die Politik wartet weiter, während die Temperaturen steigen. Kein gemessenes Jahr war heisser als 2016. Die letzten 16 Jahre gehören global zu den 17 heissesten Jahren, seit die Messung im 19. Jahrhundert aufgenommen wurde.

1917 mutmasste Telefonpionier Graham Bell, das wilde Verheizen fossiler Energieträger könne die Welt in «ein Treibhaus» verwandeln. Bald entstand der Begriff des «Treibhauseffekts», darauf «Globale Erwärmung» und «Klimawandel». Die Existenz eines solchen menschengemachten Wandels leugnen heute nur noch Dummköpfe, Provokateure und Günstlinge. In den USA unterstützen Unternehmer wie die Koch-Brüder Klimawandel-Leugner mit Millionen Dollars.

Doch das eigentliche Problem ist die Apathie der wissenden Mehrheit. Das dürfte auch mit dem unglücklichen Kompositum «Klimawandel» zu tun haben: Es ist viel zu harmlos und ungeheuer weit weg von den bereits realen Dramen, den schmelzenden Gletschern und versinkenden Inseln. «Klima» ist ein abstrakter Begriff, der sich kaum mit dem Alltag verbinden lässt. «Wandel» ist in westlichen Gesellschaften, die Flexibilität zu den Kardinaltugenden zählen, sogar positiv besetzt.

Ein neuer Begriff muss also gefunden und etabliert werden. Diese Diagnose ist nicht neu, Klimaforscher und Sprachwissenschaftlerinnen wie etwa Elisabeth Wehling hadern schon länger. Obamas Umweltberater John Holdren machte einen Anfang: Er schlug «Climate Disruption» vor, auf Deutsch ungefähr «Klima-Verriss».

Die Klima-Retter stehen auch in semantischer Hinsicht vor einer schweren Aufgabe.

Doch abgesehen von einigen progressiven Forschern und Aktivisten stiess die Wortschöpfung kaum auf Resonanz. «Disruption» wird wohl zu sehr mit dem Silicon Valley in Verbindung gebracht, als dass das Wort zum neuen klimatischen Warnbegriff taugen könnte. Und auch «Climate Disruption» ist allzu abstrakt; einprägsamer wären Konkreta wie «Temperatur-Suizid» oder «Welt-Kollaps». Ja, die Klima-Retter stehen auch in semantischer Hinsicht vor einer schweren Aufgabe.

Und was tut derweil Donald Trump, der grosse Verhinderer? Er verbot den Angestellten des US-Energieministeriums, das Wort «Klimawandel» zu benutzen. Nach einem Ersatz verlangte er selbstverständlich nicht.

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