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Grosse Fragen: Der Geist im Seelenapparat

Fragt man heutzutage Psychoanalytiker, was sie eigentlich behandeln: die Seele oder den Geist, bringt man sie zumeist in grosse Verlegenheit.

Alexandrine Schniewind
Verwirrung in der Psychoanalyse: Freud entledigte die Seele ihrer metaphysischen Konnotationen.
Verwirrung in der Psychoanalyse: Freud entledigte die Seele ihrer metaphysischen Konnotationen.
Martin Rütschi, Keystone

Fragt man heutzutage Psychoanalytiker, was sie eigentlich behandeln, die Seele oder den Geist, bringt man sie zumeist in grosse Verlegenheit. Und je nachdem, welche Sprache dabei betroffen ist – Deutsch, Englisch, Französisch gelten uns hier als Beispiele –, fällt die Verlegenheit ganz verschieden aus. Denn wenn in der deutschen Alltagssprache «Seele» weiterhin rege benutzt wird (zum Beispiel «die Seele baumeln lassen» oder auch «Seelenverwandschaft»), so ist dies im Englischen und Französischen keineswegs mehr der Fall. Dort ist die Seele dem Geist gewichen: «soul» und «âme», haben «mind» und «esprit» den klaren Vortritt gewährt. In der philosophischen und psychologischen zeitgenössischen Terminologie ist auf Deutsch, Englisch und Französisch «das Mentale» vermehrt der Sammelbegriff, unter dem heute alle psychischen (mentalen) Prozesse subsumiert werden, darunter offenbar auch jene, die Gegenstand psychoanalytischer Behandlung sind. Dies erklärt die häufigste Antwort von französischsprachigen Psychoanalytikern, die von mir befragt wurden: Was sie behandeln, sei «le mental» (das Mentale). Ob eine klare Vorstellung besteht, was unter diesem Begriff verstanden wird, ist nicht sicher.

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