Zum Hauptinhalt springen

«Hier vollgetankte russische Panzer, da hungernde ukrainische Soldaten»

Igort, preisgekrönter Comic-Künstler, Musiker, Essayist, hat über die Ukraine eine Comicreportage gemacht. Er kennt die historische Spaltung der Bevölkerung und ihre Not heute. Und fordert vom Westen Taten.

«Ich sehe, dass Menschen ihr Leben zum Besseren verändern möchten, es aber nicht schaffen. Sie belügen sich selbst», hielt Anna Politkowskaja fest. Doch die später ermordete Journalistin glaubte ans Entwicklungspotenzial des Homo Sovieticus, wie der Comic-Reporter Igort in «Berichte aus Russland» erzählt, wo er ihr ein Denkmal setzt. Igort sieht sich, ein klein wenig, in ihrer Nachfolge.
«Ich sehe, dass Menschen ihr Leben zum Besseren verändern möchten, es aber nicht schaffen. Sie belügen sich selbst», hielt Anna Politkowskaja fest. Doch die später ermordete Journalistin glaubte ans Entwicklungspotenzial des Homo Sovieticus, wie der Comic-Reporter Igort in «Berichte aus Russland» erzählt, wo er ihr ein Denkmal setzt. Igort sieht sich, ein klein wenig, in ihrer Nachfolge.
Igort
Eine Geheime Politische Abteilung Stalis deportierte 1931 ukrainische Bauern. Viele starben an Hunger und Krankheiten, wenn sie nicht Gewalttaten zum Opfer fielen.
Eine Geheime Politische Abteilung Stalis deportierte 1931 ukrainische Bauern. Viele starben an Hunger und Krankheiten, wenn sie nicht Gewalttaten zum Opfer fielen.
Igort
Bei der Deportation von «Konterrevolutionären» in der Ukraine war man nicht zimperlich.
Bei der Deportation von «Konterrevolutionären» in der Ukraine war man nicht zimperlich.
Igort
1 / 6

Täglich skypen Sie mit Ihren Freunden in Odessa, Melitopol, in der Ostukraine. Wie geht es ihnen?

Sehr schlecht. Schon vor dem Krisenbeginn befand sich das Land in einer totalen Misere. Jetzt gesellen sich zur Armut Angst und Verzweiflung; eine Freundin in Odessa erzählte mir beispielsweise, dass sie zu panisch ist, um hinauszugehen, um Lebensmittel zu besorgen. Und über den Familien hängt der Schrecken der Einberufung: Viele junge Männer werden aufgeboten, und das ukrainische Parlament hat die Strafe für Verweigerung just drastisch angehoben: auf acht Jahre! Dabei will ein grosser Teil der Einberufenen nicht kämpfen, nicht in einen Bürgerkrieg ziehen; und die Armee hat ohnehin Mühe, ihre Soldaten zu verpflegen. Es obliegt den Familien, ihre Soldaten zu versorgen; zum Teil klopften die Soldaten in ihrer Verzweiflung an Türen von Bauern. Es ist ein völliger Irrsinn: hier russische, vollgetankte Panzer und gut ausgerüstete Soldaten, dort hungernde ukrainische Kämpfer und Fahrzeuge ohne Sprit. Und Europa schläft.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.