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«Hitler ist nicht meine politische Referenz»

Nach den Nazi-Vergleichen lieferten sich Christoph Blocher und Jean-Claude Juncker gestern in Zürich ein Streitgespräch. Die beiden Vollblut-Politiker schonten sich nicht.

Verheissungsvoll war die Affiche, gross der Andrang. Zum Podium mit Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker und Christoph Blocher strömten Hunderte in den Zürcher Pfauen, darunter nicht wenige aus Politik und Wirtschaft. Schon seit Tagen war der Anlass ausverkauft. Kein Showdown und kein Duell sollte es werden, mahnte zu Beginn der Autor Lukas Bärfuss, der das Gespräch zusammen mit Peer Teuwsen von der «Zeit» leitete. Auch keine «unpassenden Vergleiche» wolle man tolerieren. Damit war natürlich Christoph Blocher gemeint, der EU-Politiker Juncker im Vorfeld Nazi-Rhetorik vorgeworfen hatte. Anlass dazu war ein Interview vor Kurzem, in dem Juncker gesagt hatte, dass es ein «geostrategisches Unding» sei, dass man «diesen weissen Fleck» auf der europäischen Landkarte habe.

Nachdem die beiden ein paar Minuten Phrasen über die Entstehungsgeschichte ihrer Staaten gedroschen hatten, kam Blocher proaktiv auf den heiklen Vergleich zu sprechen: «Die Römer wollten schon Grossreiche in Europa errichten, die Habsburger, die Nazis auch – da sind wir empfindlich.» Blocher habe sein Interview unkorrekt reflektiert, konterte Juncker, niemand wolle die Schweiz zu etwas zwingen. Im Gegenteil, er sei in besagtem Interview sogar sehr schweiz-freundlich gewesen. Doch Liebeserklärungen verstehe man im ersten Augenblick selten, so Juncker. Er habe im Interview nur betonen wollen, dass er sich einen Beitritt der Schweiz zur EU wünschen würde. Diese Entscheidung habe aber ausschliesslich die Schweiz zu fällen. «Ich weiss gut, dass man gerade in einem kleinen Land Zurufe über den Zaun nicht braucht.»

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