Ich, der Dissident

Mit staatlichen Geldern von Pro Helvetia und anderen Institutionen wurde die journalistische Unabhängigkeit angetastet. Drohen uns nordkoreanische Zustände?

Die «Armee der Schönen» von Kim Jong-un an den Olympischen Winterspielen. Bald auch Alltag bei uns? Foto: Keystone

Die «Armee der Schönen» von Kim Jong-un an den Olympischen Winterspielen. Bald auch Alltag bei uns? Foto: Keystone Bild: Keystone

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Was wir wissen: Kim Jong-un, Herrscher über Nordkorea, hat seine «Armee der Schönen» in den olympischen Süden entsandt: eine Gruppe von insgesamt 250 jungen Frauen, die auf den Zuschauerrängen die koreanischen Teams anfeuern – mit ewigem Lächeln und Choreografien, die geprägt sind von brachialer Rhythmik und mechanischen Hüftschwüngen. Hiesige Kommentatoren nahmen dieses Spektakel mit Befremden zur Kenntnis. Auch mich umwehte dabei ein Hauch der Beklemmung. Aber aus ganz anderen Gründen. Denn auch ich hätte die Möglichkeit gehabt, einer solchen Jubelarmee anzugehören.

Bekannte Hintergründe: Vor etwas mehr als zwei Jahren erhielt ich von einer deutschen Zeitschrift mit sozialistischer Vergangenheit die Anfrage, ob ich für eine Spezialausgabe einen Artikel über die jüngere Theatergeneration der Schweiz schreiben möchte. Anlass dafür war das Schweizer Theatertreffen, das dank staatlicher Gelder von zuletzt fast einer halben Million Franken stattfinden kann. Wie ich später erfuhr, wurden von Pro Helvetia und dem Theatertreffen gesamthaft rund 20 000 Franken an besagte Theaterzeitschrift überwiesen, damit dort in einer Spezialausgabe dem hiesigen Theater applaudiert werden kann. Doch damit nicht genug: Ein Vorstandsmitglied des Schweizer Bühnentreffens, das selbst Theaterintendant ist, wollte eine «Empfehlung» abgeben, wen ich «im Sinne der Vielfalt» zu den Talenten zählen könnte. Sollte ich mich dem nicht beugen, würde es «schwierig», teilte mir die zuständige Zeitschriftenredaktorin mit. Zufälligerweise war die «Empfehlung» des Vorstandsmitglieds eine Regisseurin, deren Stücke sein Theater mitproduzierte. Als ich mich weigerte, die talentfreie Regiekraft in den Rang einer bemerkenswerten Künstlerin zu erheben, wurde mir der Schreibauftrag entzogen.

Allfällige Konsequenzen für die Schweiz: «Redaktionelle Beiträge, die als ‹Gegenleistung› zu Inseraten veröffentlicht werden, sind unzulässig», schreibt der Schweizer Presserat. Denn nur so kann die journalistische Unabhängigkeit gewahrt bleiben.

Beurteilung der aktuellen Sicherheitslage: Kritisch. Das nächste Theatertreffen findet im Mai in Zürich statt.

Erstellt: 26.02.2018, 09:39 Uhr

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