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Jesse Hughes verhöhnt Opfer von Waffengewalt

Der Sänger der Eagles of Death Metal kritisiert die «March for Our Lives»-Bewegung – obwohl er im Bataclan auf der Bühne stand.

Adrien Woeffray
An einem seiner Konzerte wurden die Zuschauer selbst Opfer sinnloser Waffengewalt: Der Sänger der Eagles of Death Metal, Jesse «The Devil» Hughes, hier 2016 am Open Air Gampel.
An einem seiner Konzerte wurden die Zuschauer selbst Opfer sinnloser Waffengewalt: Der Sänger der Eagles of Death Metal, Jesse «The Devil» Hughes, hier 2016 am Open Air Gampel.
Manuel Lopez, Keystone

Eigentlich hätte man von Jesse Hughes ein bisschen mehr Empathie und Verständnis für die Protestmärsche gegen Waffengewalt in Washington und anderen amerikanischen Grossstädten erwarten können: Mit seiner Band Eagles of Death Metal wurde er im November 2015 beim Anschlag im Pariser Konzertlokal Bataclan doch selbst Zeuge hinterhältiger und feiger Waffengewalt.

Das Konzert in Paris forderte 89 Menschenleben und war für den konservativen Waffenfanatiker Hughes Vorwand genug, krude Verschwörungstheorien in die Welt hinauszuposaunen. So sei ein Teil der Sicherheitsleute Muslime, der Anschlag deshalb ein «Inside-Job» gewesen, ausserdem habe er nach dem Anschlag «Muslime in der Strasse tanzen» gesehen. Auch kritisierte er die strengen Waffengesetze in Frankreich, hätte die Tat durch bewaffnete Zuschauer doch verhindert werden können.

«Ihr beleidigt jeden freiheitsliebenden Menschen»

Nun aber die «March for Our Lives»-Bewegung, deren Auslöser das Massaker in Florida vom Februar und deren Zenit die Kundgebung in Washington mit rund 800’000 Teilnehmern war: Für Jesse Hughes eine «erbärmliche» und «ekelhafte» Aktion, wie er auf mittlerweile gelöschten Posts auf Instagram und Twitter mitteilte. Sie «schlachten den Tod von 16 Klassenkameraden für ein paar Facebook-Likes und ein wenig Medieninteresse aus und verunglimpfen so ihr Andenken», schrieb er weiter.

Für Hughes scheint der Protest gegen Waffengewalt und die Forderung nach schärferen Waffengesetzen mit der Beleidigung von Toten gleichgestellt zu sein. Dies lassen zumindest seine Worte in den sozialen Medien vermuten: «Als Überlebender einer Massenschiesserei kann ich euch aus erster Hand sagen, dass ihr alle, die ihr protestiert und dazu die Schule schwänzt, die Erinnerung an diejenigen beleidigt, die damals getötet wurden. Durch eure Taten beleidigt ihr mich und jeden freiheitsliebenden Menschen.»

In Emma González, der 18-jährigen Überlebenden des Massakers, die zum Gesicht der Bewegung avanciert ist, sieht Hughes den Staatsfeind Nummer eins. So zeigte er eine Fotomontage – die mittlerweile ebenfalls gelöscht wurde –, in welcher sie die amerikanische Verfassung auseinanderzureissen scheint, und nannte sie «Verräterin» und «Verliererin». Im Originalbild zerriss González eine Zielscheibe für das Magazin «Teen Vogue».

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