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Kritische Medien braucht es – jetzt erst recht

Gerade in Krisenzeiten muss der Journalismus die Finger auf wunde Punkte in der Politik legen. Sonst droht die Meinungsdiktatur.

MeinungArthur Rutishauser
Was die Politik macht, gehört öffentlich debattiert: Nahaufnahme einer Druckplatte des «Tages-Anzeigers». Foto: Reto Oeschger
Was die Politik macht, gehört öffentlich debattiert: Nahaufnahme einer Druckplatte des «Tages-Anzeigers». Foto: Reto Oeschger

Die Corona-Krise beschert den klassischen Medien viel Aufmerksamkeit. Der Hunger nach seriöser, geprüfter Information über das Virus und seine Folgen für Gesundheit, Wirtschaft und Gesellschaft ist kaum zu stillen. Auch auf unseren Websites finden sich doppelt so viele Leserinnen und Leser wie in normalen Zeiten, Zeitungsartikel lösen ein enormes Echo aus, Fernsehen und Radio haben rekordhohe Einschaltquoten, die Kommentarspalten und Leserbrief­seiten füllen sich wie von selbst.

Neben dem aussergewöhnlichen Echo fallen zwei Dinge auf. Erstens fordern nicht wenige Lesende, wir sollen die Artikel im Internet kostenlos zur Verfügung stellen. Und zweitens gibt es eine lautstarke Minderheit, die hinter jedem kritischen Wort Besserwisserei und mangelnden Respekt gegenüber dem Bundesrat oder Kantonsregierungen vermutet.

Offenbar sehnen sich viele nach einer Art wohlmeinendem Diktator, der das Land effizient und selbstlos aus der Krise führt. Das ist gefährlich.

Die Forderung nach Gratisartikeln lässt sich leider nicht erfüllen. Nicht in Zeiten, in denen die Werbung krisenbedingt regelrecht einbricht. Die privaten Medien kämpfen genauso wie der grösste Teil der Wirtschaft mit den harten Folgen des Stillstands. Es geht bei allen um die Existenz. Der zweite Gedanke ist noch viel gefährlicher. Offenbar sehnen sich viele nach einer Art wohlmeinendem Diktator, der das Land effizient und selbstlos aus der Krise führt. Er soll möglichst ungestört von konträren Meinungen schalten und walten können, wie er will – und das Volk hat zu gehorchen.

Zwar braucht die Regierung in Krisenzeiten tatsächlich mehr Vollmachten als in normalen Zeiten, nur so lässt sich der Stillstand zur Seuchenbekämpfung durchsetzen. Aber wenn es Bund und Kantone über Jahre versäumen, für genügend Schutzmaterial zu sorgen, obwohl das gesetzlich vorgeschrieben wäre, wenn Deutschland auf einmal Lieferungen von Masken in die Schweiz aufhält oder wenn die Kantone plötzlich Alleingänge wagen (wie in Uri oder dem Tessin), dann gehört das kritisiert und öffentlich debattiert. Nur so können wir hoffen, dass wir für die nächste Pandemie besser gerüstet sind als dieses Mal.

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