Kurz im Fadenkreuz

Mit einem umstrittenen Tweet hat das Satiremagazin «Titanic» für Empörung gesorgt. Der österreichische Verfassungsschutz hat Ermittlungen eingeleitet.

Mit diesem Bild sorgte das Satiremagazin Titanic für eine Kontroverse: Der österreichische Kanzleranwärter Sebastian Kurz mit Hitler-Vergleich und Fadenkreuz auf der Brust.

Mit diesem Bild sorgte das Satiremagazin Titanic für eine Kontroverse: Der österreichische Kanzleranwärter Sebastian Kurz mit Hitler-Vergleich und Fadenkreuz auf der Brust. Bild: Twitter/Titanic

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Und wieder einmal stellt sich die Frage, wie weit Satire gehen darf. Mit einem am Montagmorgen publizierten Tweet sorgte das deutsche Satiremagazin «Titanic» für Empörung.

Die veröffentlichte Fotomontage zeigt den Vorsitzenden der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und Aussenminister des Landes, Sebastian Kurz, im Fadenkreuz. Zudem steht in grellen Farben «Endlich möglich: Baby-Hitler töten!» Der umstrittene Tweet spielt auf die Frage an, die das «New York Times Magazine» seinen Lesern stellte: ob sie Hitler als Baby töten würden, wenn sie in die Vergangenheit zurückreisen könnten.

Während Sebastian Kurz bis zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Stellungnahme abgegeben hat, reagierte die Twitter-Gemeinde empört:

Die Landespolizeidirektion Wien (LPD) antwortete innerhalb weniger Stunden auf die Frage eines Nutzers nach der Strafbarkeit des Posts. Der Tweet sei an die zuständige Stelle weitergeleitet worden.

Laut der Tageszeitung «Der Standard» hat das österreichische Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung bereits Ermittlungen gegen das zweitgrösste deutsche Satiremagazin aufgenommen. Dessen Chefredaktor Tim Wolff zeigt sich uneinsichtig. Im deutschen Medienportal «Meedia» witzelte er: «Eingestehen möchten wir aber, dass im Fall dieses Witzes eine problematische Grenzüberschreitung stattgefunden hat, nämlich die nach Österreich – wo man offensichtlich nicht so locker mit der eigenen Nazivergangenheit umgeht wie wir guten, geläuterten Deutschen.»

Es ist nicht das erste Mal, dass «Titanic» umstrittene Entscheidungen trifft. Eine einstweilige Verfügung brachte 2006 das Cover mit dem damaligen SPD-Vorsitzenden Kurt Beck ein, welches mit «Problembär ausser Rand und Band: Knallt die Bestie ab!» betitelt wurde.

2012 erwirkte der Vatikan ebenfalls eine einstweilige Verfügung, nachdem Papst Benedikt XVI. mit einem Urinfleck auf seiner Soutane gezeigt worden war. Das bearbeitete Cover bezog sich in Wort («Die undichte Stelle ist gefunden!») und Bild auf die Vatileaks-Affäre. Die einstweilige Verfügung wurde später zurückgezogen.

Erstellt: 17.10.2017, 19:38 Uhr

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