Zum Hauptinhalt springen

«Männer wollen das Damenparfüm für sich»

Brad Pitt wirbt als erster Mann für das berühmteste Damenparfüm der Welt: Chanel No. 5. Das sorgt in Parfümerien für verwirrte Kunden, die sich aber nicht so rasch abwimmeln lassen.

«Es ist keine Reise. Jede Reise geht zu Ende, aber wir gehen weiter», brummelt Brad Pitt – zerknittertes Langarmhemd, schulterlange Haare, Musketierbart. Er steht vor einer Wand in Marmoroptik. Alles ist in Schwarzweiss gehalten. Kunstpause, Blick nach unten, Blick in die obere Ecke. «Die Welt dreht sich, und wir uns mit ihr», fährt Brad Pitt fort. Blick zu Boden, dann im Raum herumschauend. «Pläne verschwinden, Träume übernehmen.» Blick zuerst in die Ferne schweifend und plötzlich auf den Zuschauer fokussiert: «Aber wohin ich auch gehe, bist du da. Mein Glück, mein Schicksal. Meine Fügung. Chanel No. 5.» Einblender Parfümflasche im Weltraum und zurück zu Brad Pitt, der nur noch ein Wort zu sagen hat: «Inevitable», unumgänglich.

Das ist der melodramatische Spot, der für einen riesigen Wirbel gesorgt hat in der Werbe- und Parfümbranche. Brad Pitt macht Werbung für ein Frauenparfüm, ein Mann, und das ausgerechnet für das berühmteste der Welt. Weibliche Models beschwerten sich, dass ein Mann ihnen den Job wegschnappt. Denn seit der Markteinführung 1921 haben ausschliesslich schöne Frauen in aufwendig produzierten Kurzfilmen für den Duft geworben; zuletzt Nicole Kidman oder Audrey Tautou. Für Brad Pitts Schwarzweiss-Spot wurde der bekannte britische Regisseur Joe Wright («Anna Karenina», «Pride & Prejudice») engagiert. Was soll das? Wovon redet Brad Pitt da? Trägt Angelina Chanel No. 5? Oder doch er selber?

«Die Wirkung ist frappant»

Derartige Reaktionen haben die Verantwortlichen bei Chanel bewusst in Kauf genommen, ja sogar provoziert. «Um eine Legende frisch zu halten, musst du immer wieder die Betrachtungsweise ändern», wurde Andrea d’Avack, Präsidentin von Chanel Fragrance & Beauty, in der «Women’s Wear Daily» zitiert. Es war offenbar der richtige Entscheid, besonders so kurz vor Weihnachten. «Die Wirkung ist frappant», sagt René Piller von der Parfümerie Yours in Bern. Die Nachfrage sei riesig, noch grösser als sonst zu Weihnachten.

Die meisten Kunden kaufen das Parfüm für ihre Liebste. Eine Tradition, so wie es schon ihre Väter zu Weihnachten getan haben. Dann gibt es jedoch noch die anderen Männer, die Brad Pitts Werbebotschaft nicht ganz verstanden haben. Die wollen das Parfüm nicht für ihre Freundin oder Frau, die wollen das Damenparfüm für sich selber. René Piller und sein Team erklären ihnen dann, dass es sich nicht um einen Duft für Männer handelt, sondern um einen für Frauen, obwohl Brad Pitt Werbung dafür macht. «Mindestens die Hälfte der Männer will es dennoch probieren», erzählt Piller lachend. Und es gebe tatsächlich solche, die den Duft für sich kauften.

Passt Chanel No. 5 denn auch zu Männern? «Das würde ich nicht unbedingt sagen», so Piller. Der Duft sei sehr elegant, pudrig, warm, rund und weiblich. Kurz: einer der schönsten Damendüfte, die es gebe. «Aber wenn ein Mann unbedingt möchte, kann er es natürlich dennoch tragen. Es ist reine Geschmacksache.» Auch heute hat René Piller schon etliche Chanel No. 5 verkauft. Durchwegs an Männer. Ob es am 24. Dezember unter dem Weihnachtsbaum liegen wird oder ob sie den Duft wegen Brad Pitt für sich selber behalten, darüber kann nur spekuliert werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch