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Manche mögen's weiss

Ein etwas anderer Autokalender: Eine deutsche Designerin setzt auf ungebräunte Haut, Bierbäuche und schräge Unterwäsche. Nicht alle mögen das.

Dass sie mit ihrer Idee für so viel Aufsehen sorgen würde, hätte Designerin Janet Schürmeyer nicht gedacht. Denn das Konzept ihres Kalenders ist eigentlich ein altbekanntes: ausgefallene Örtlichkeiten, schicke Autos und möglichst viel nackte Haut. Der wesentliche Unterschied des Kalenders von Schürmeyer und Fotografin Magdalena Schaarwächter zu anderen Kalendern ist der: Die Models sind Männer. Und zwar keine durchtrainierten mit eingeölter Haut, denen man die unzähligen Besuche im Fitnessstudio deutlich ansieht, sondern «ganz normale Männer von der Strasse», die schräge Unterwäsche tragen, wie Schürmeyer sagt.

Zum ersten Mal auf den Markt kam der «Autowäsche-Kalender» der beiden Frauen Ende 2009. Für dieses Jahr hat sich die Auflage bereits verdoppelt. Doch nicht alle sind von dem Erfolg der beiden Jungunternehmerinnen begeistert. «Gerade Männer reagieren auf unseren Kalender oft mit extremer Abneigung», formuliert Schürmeyer vorsichtig. Schaarwächter wird deutlicher: «Wir bekommen richtige Hass-Mails. Eine davon ging an meinen Freund – darin hiess es, er müsse mir das endlich mal verbieten.»

Schmutzige Tische, Bierflaschen, alte Reifen

In der Schrauberhalle in Remscheid stapeln sich alte, abgefahrene Reifen und kaputte Autositze im Halbdunkel. Auf den grossen, schmutzigen Holztischen stehen einige leere Flaschen Bier. An den Wänden hängen unzählige Werkzeuge. Auf einem der Arbeitstische liegt ein halber Motorblock. «Genau solche Orte suchen wir, um die Autos, die Männer und die Unterwäsche in Szene zu setzen», sagt Schaarwächter.

Die Idee für den Kalender kam Schürmeyer vor zwei Jahren, als sie über das Thema ihrer Diplomarbeit nachdachte. «Wir wollten den Spiess einfach einmal herumdrehen und einen Kontrast zu den üblichen Kalendern schaffen», erinnert sie sich. Für die erste Ausgabe griffen sie vor allem auf Modelle aus dem Bekanntenkreis zurück. Inzwischen bekommen sie Bewerbungen geschickt. «Uns geht es darum, die Männer so zu zeigen, wie sie sind. Natürlich könnten wir auch ganz viel retuschieren, aber das wollen wir nicht», sagt Schaarwächter. Die Unterwäsche für die Männer besorgen sie übrigens selbst.

«Noch so viele schön-schäbige Unterhosen»

Die Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros, Michaela Fahner, ist begeistert von dem Kalender. «Eine richtig schöne Persiflage auf die üblichen Autokalender», findet sie, «ich persönlich finde das total lustig. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass das für viele Männer wirklich hart zu nehmen ist.» Kein Wunder, greifen die beiden Wuppertalerinnen doch eine wahre Männer-Domäne an und machen sich auch noch darüber lustig.

Erfolgreich sind sie damit. Die aktuelle Auflage des Kalenders für 2011 musste bereits nachgedruckt werden. «Noch machen wir alles selbst. Das bedeutet dann auch, dass wir manchmal abends fünf Stunden lang im Wohnzimmer sitzen und die Kalender einpacken, um sie am nächsten Tag zur Post zu bringen», sagt Schaarwächter.

Doch trotz der vielen Zeit, die sie in ihren Kalender investieren: Leben können sie davon nicht. «Wir haben auch noch ganz normale Jobs, denen wir nachgehen», sagt Schürmeyer. Einen Kalender für das Jahr 2012 wollen sie aber wohl wieder machen. Denn: «Es gibt einfach noch so viele schön-schäbige Unterhosen, die wir noch nicht in Szene gesetzt haben», sagt Schürmeyer.

dapd/Jan Filipzik

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