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Messerscharf getanzte Abgründe und Absonderlichkeiten

Das Ballett Zürich begeistert. Mit der Premiere des Tanzstücks «Woyzeck» führt der künstlerische Leiter und Choreograf Christian Spuck das Handlungsballett auf eine neue Ebene.

Choreograph Spuck gelingt es, die Zuschauer emotional mitzunehmen: Szene aus «Woyzeck».
Choreograph Spuck gelingt es, die Zuschauer emotional mitzunehmen: Szene aus «Woyzeck».
Opernhaus Zürich
Schwarz dominiert: Bühne und Kostüme scheinen wie aus einem deutsch-expressionistischen Stummfilm.
Schwarz dominiert: Bühne und Kostüme scheinen wie aus einem deutsch-expressionistischen Stummfilm.
Opernhaus Zürich
Woycez, die geschundene Kreatur: Er saluttiert blind.
Woycez, die geschundene Kreatur: Er saluttiert blind.
Opernhaus Zürich
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Zärtlich poetisch beginnt der Ballettabend mit einer kleinen Melodie. Die «Music Box» von Philip Glass wird später, wenn sich das Paar Woyzeck und Marie trifft, ein zweites Mal erklingen. Jetzt bleibt ihr Nachhall verloren im Bühnendunkel hängen; doch nicht lange, und der Schrecken folgt ihr auf dem Fusse. Aus der Schwärze schälen sich Tamboure, fünf Musiker der Philharmonia Zürich. Im Crescendo ihres Trommelwirbels krümmt sich, hetzt und salutiert blind gehorsam Woyzeck, die geschundene Kreatur. Ihm wird der Takt diktiert von denen, die sich gesellschaftlich als etwas Besseres verstehen – Repräsentanten des Militärs und der Wissenschaft. Georg Büchner hat mit seinem Dramenfragment aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Bestiarium deutschen Beamtentums und des unmenschlichen Standesdünkels karikiert, albtraumhaft und zeitlos aktuell.

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