«Nicht auf dem Niveau von Irina Beller»

Papst Franziskus wird im Web als Rapper herumgeboten. Können die Katholiken von Social Media profitieren? Dazu der Zürcher Kirchensprecher.


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Begrüssen Sie die Verbreitung der «Pope Bars»?
Eindeutig. Sicher ist da auch Blödelei dabei. Aber grundsätzlich finde ich es grossartig, wenn der Papst jetzt Teil der Rapkultur ist. Zumal er ja auch selber etwas von einem Rapper hat, sowohl in der Gestik als auch in seiner Einstellung. Er rüttelt den Vatikan gerade ordentlich durch, ist in seinen Reden eng an den Themen der Zeit, stellt den Kontakt zu den Menschen her – etwas, was seinem Vorgänger nicht gelungen ist. Und Franziskus hat eine kräftige Botschaft: Wehrt euch gegen Kriege, kämpft für die Natur und die Liebe. Da dürfen die Wörter auch mal etwas direkter, man könnte auch sagen dreckiger werden. Das Leben ist ja nicht nur zuckersüss.

Der Rapper ist nichts anderes als ein säkularer Prediger.
Genau! Und bei Predigern wie Rappern gibts gute und schlechte. Wobei ich mir bei Letzteren natürlich kein Qualitätsurteil anmasse. Wir haben übrigens auch nicht vor, uns nun selber lyrisch einzuschalten. Das überlassen wir den Profis.

Lässt sich die katholische Lehre auf Twitter adäquat verbreiten?
Sicher. Jesus sprach auf den Punkt. Jede seiner wichtigsten Botschaften lässt sich in einen Tweet packen.

Wer twittert eigentlich für den Papst?
Franziskus hat da seine eigene Mannschaft aufgestellt, ein fünfköpfiges, internationales Team. Eine grossartige Aufgabe: Mal für den Papst zu twittern . . . das würde mich ehrlich gesagt schon reizen.

Die visuelle Überwältigung war immer eine katholische Kernkompetenz. Sollte sie nicht auf Instagram offensiver mit ihren gewaltigen Kirchen und goldenen Kelchen prunken?
Wir haben diesbezüglich ein tolles Angebot, das stimmt. Aber es darf uns nicht darum gehen, die Leute mit Prunk bloss zu beeindrucken, sondern die Schönheit der Kirchen will den grauen Alltag erhellen und Raum für etwas Grösseres bieten. Die katholische Kirche bewegt sich nicht auf dem Niveau von Irina Beller.

Böte Snapchat nicht die Möglichkeit für digitale Beichten?
Da CIA und NSA bekanntlich jederzeit mitlauschen, finde ich das ehrlich gesagt keine gute Idee.

Braucht die Kirche heute überhaupt noch physische Räume, um zu wirken? Oder geht das auch per Facebook?
Es braucht letztlich immer den realen Kontakt zwischen Menschen, damit der Glaube gedeihen kann. Aber wir können über Social Media natürlich den Erstkontakt herstellen – und die katholische Sinnlichkeit kann so schon eine hilfreiche Wirkung erzielen.

Erstellt: 03.12.2015, 09:18 Uhr

Simon Spengler (53) leitet die Kommunikation der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Spengler ist Theologe und ehemaliger Journalist («Blick»). (Bild: zVg)

Hat definitiv Humor: Papst Franziskus trifft auf Baby-Papst.

Artikel zum Thema

«Säg mer nöd Papscht, säg mer Pontifex!»

Der rappende Papst wird zum Internet-Star. Wir haben die passenden schweizerdeutschen Rhymes. Mehr...

Diesen Humor mag Franziskus

Auf seiner USA-Reise begegnete der Pontifex einer Päpstin – und war hingerissen. Mehr...

Obama holt Rat bei Franziskus

Nach Havanna reist der Papst weiter nach ­Washington zum ­US-Präsidenten. Und hält als erster Pontifex eine Rede vor dem ­US-Kongress. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Blogs

Geldblog Bleibt meine Hypothek im Alter tragbar?

Mamablog Was Neu-Eltern nie mehr hören wollen

Die Welt in Bildern

Im Wiederaufbau: Das Sonnenlicht am frühen Morgen scheint auf die Kathedrale Notre-Dame in Paris. (16. September 2019)
(Bild: Ian Langsdon) Mehr...