Plötzlich lacht Johann Schneider-Ammann

Eine Software kann Barack Obama digital zum Sprechen bringen – echter als in Realität. Auch andere Politiker hätten davon profitiert.

«Rire, c'est bon pour la santé»: Bundesrat Johann Schneider-Ammann spricht mit versteinerter Miene von der wohltuenden Wirkung des Lachens.

«Rire, c'est bon pour la santé»: Bundesrat Johann Schneider-Ammann spricht mit versteinerter Miene von der wohltuenden Wirkung des Lachens. Bild: Youtube/ConvivaPlus.ch

Barack Obama könnte ab jetzt auf jedem TV-Sender oder Internetkanal Reden halten – ohne jemals vor eine Kamera getreten zu sein. Wissenschaftlern der University of Washington ist es gelungen, anhand der Audioaufnahme einer Rede Barack Obamas ein Video mit synthetischen Bildern zu produzieren. Dieses zeigt den lippensynchron sprechenden ehemaligen Präsidenten, wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet. Der Software wurden über 17 Stunden Videomaterial zum «Lernen» bereitgestellt, bevor die untere Gesichtspartie Obamas mit erstaunlicher Präzision auf die Videoaufnahme einer anderen Rede gelegt werden konnte.

«Synthesizing Obama: Learning Lip Sync from Audio» (Youtube/Supasorn Suwajanakorn)

Der von der künstlichen Intelligenz errechnete und ausschliesslich auf einer Audiodatei basierende Obama scheine nun «echter» und sehe «eher nach typischem Obama aus» als die Originalbilder. Der Mund des ehemaligen Präsidenten sei die grösste Schwierigkeit gewesen, da Menschen sensibel auf «unecht wirkende Mundregionen» reagieren würden. Deswegen haben die Wissenschaftler Supasorn Suwajanakorn, Steven M. Seitz und Ira Kemelmacher-Shlizerman mit ebendieser «Problemzone» begonnen.

Laut den drei Forschern soll dies helfen, «Bandbreite im Internet zu sparen», wenn von «Online-Videokonferenzen künftig nur noch die Sätze übertragen und die Köpfe im Konferenzraum dazu künstlich errechnet würden.» Kritik wird aber aus Furcht vor entstellten Reden laut, die von Fake-News verbreitet werden könnten. Diese künstliche Intelligenz funktioniere jedoch nur bei öffentlichen Personen, die genügend «Lernmaterial» für die künstliche Intelligenz liefern.

Erstellt: 31.07.2017, 15:19 Uhr

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