Porno auf die Ohren

Die Amerikanerin Caroline Spiegel hat eine Plattform für Audiopornos gegründet. Damit hat sie sich auch selbst geholfen.

Als sie ihren Freundinnen von der Idee mit den Audiopornos erzählte, fanden einige das ziemlich dumm. Aber Caroline Spiegel glaubte daran. Foto: PD

Als sie ihren Freundinnen von der Idee mit den Audiopornos erzählte, fanden einige das ziemlich dumm. Aber Caroline Spiegel glaubte daran. Foto: PD

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Eine Minute und 13 Sekunden. So lange dauert es, bis Caroline Spiegel im Interview das Wort Masturbation benutzt. Sie lächelt dabei zwar ein klein wenig verlegen, aber führt eben doch ohne zu stolpern durch ihre Erzählung. Die Erzählung von ihrer ersten eigenen Erfahrung mit Audioporno, also Porno zum Hören.

«Ich erinnere mich genau, wo ich war: in meiner damaligen Wohnung in Palo Alto, Kalifornien, und ich hörte so eine Art Anleitung zum Masturbieren. Ich hatte extrem schnell einen Orgasmus und dachte mir: Wow, das ist ein riesiger Markt. Jemand muss das angehen!» Diese jemand sollte sie selber sein: Caroline Spiegel, vor 22 Jahren in Los Angeles geboren, Studentin an der berühmten Stanford University, beschloss an diesem Tag, ein Audioporno-Portal zu gründen, das von Usern selbst aufgenommene und hochgeladene Fantasien sammelt. Die Idee zu Quinn war geboren, so hat Spiegel ihr Start-up getauft.

Vor ihrer Unternehmensgründung, gleich nachdem sie die Masturbationsanleitung gehört hatte, begann sie mit der Marktforschung und Konkurrenzanalyse. «An genau diesem Tag fand ich diese versteckten, funkelnden Onlinecommunitys, die auf erotische Audioinhalte spezialisiert sind. Es war einfach so verrückt! Und wer schon mal so etwas angehört hat, weiss: Das erste Mal ist das beste Mal!»

Audioporno fühlt sich ethisch korrekter an und macht mehr Spass. Da sind viel mehr Geschichten drin, mehr Details, mehr Gefühl.Caroline Spiegel

Sich der eigenen Sache sehr sicher zu sein, ist eine Qualität, die sie mit ihrem Bruder teilt: Evan Spiegel, der Gründer des Messagingdienstes Snapchat und eine der erfolgreichsten Figuren der digitalen Wirtschaft, 29 Jahre alt und verheiratet mit einem Topmodel. Auch er hat seine Idee gegen etliche Widerstände durchgezogen, dabei sogar einmal ein Übernahmeangebot von Facebook über 3 Milliarden Dollar abgelehnt. Heute ist er einer der jüngsten Milliardäre der Welt.

Spiegel will mit Quinn alle ansprechen, nicht nur die Nerds – und nennt sich selbst trotzdem «Nerd». Genauer gesagt: «Nerd with a need», also ein Internetfreak mit einem Bedürfnis. Zum einen, weil sie in Stanford Informatik studiert. «Ich würde das gern abschliessen! Aber ist das gerade meine Priorität Nummer 1? Leider nein», sagt sie. Und zum andern, weil sie aufgrund einer Magersuchterkrankung an einer Form sexueller Dysfunktion litt, die sie keinerlei Lust verspüren liess. «Meine Sexualität war mir aber sehr wichtig», sagt sie. Deswegen begann sie nach Wegen zu suchen, um körperlich, vor allem aber psychisch wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Dank der Onlinecommunitys habe sie herausgefunden, was wirklich ihre sexuellen Bedürfnisse waren. Und so auch endlich das Gefühl verloren, dass mit ihr etwas nicht stimme, dass sie einfach nicht funktioniere.

Nachdem ihr die Idee zu einem Audioporno-Portal gekommen war, erzählte sie Freundinnen davon. «Einige waren sehr ehrlich und meinten, dass das eine dumme Idee sei.» Viele aber hätten ihr gestanden, dass sie auch frustriert seien von visuellen Mainstreampornos. «Audioporno fühlt sich ethisch korrekter an und macht mehr Spass», sagt Spiegel. «Da sind viel mehr Geschichten drin, mehr Details, mehr Gefühl.» Und er biete die Chance, dem Fokus der Industrie auf die Bedürfnisse von Männern etwas entgegenzusetzen.

Erstellt: 20.10.2019, 20:39 Uhr

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