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Radio-Kritik: Unter Sven Regeners Wortlawine

Gestern Abend war der deutsche Schriftsteller und Musiker Sven Regener zu Gast in der DRS3-Diskussionssendung «Focus live». Eine Spezialsendung mit einer schwierigen Aufgabe für den Moderator.

Wer Sven Regener als Sänger der deutschen Band Element of Crime kennt, der schätzt ihn wegen der poetischen, um nicht zu sagen verschwurbelten Liedtexte: «Kopf aus dem Fenster und Arme aufs Brett / Und dann scheiss auf den Kaktus, der ist böse und heiss.» Man kann solche Zeilen einfach nur schön finden, ohne sie zu verstehen.

Doch Regener kann auch anders. Spätestens seit er 2001 seinen ersten Roman «Herr Lehmann» veröffentlicht hat, weiss man, dass er in einfachen und verständlichen Sätzen eine schlicht-schöne Geschichte erzählen kann – über das trist-traurige Leben des Barkeepers Frank Lehmann in Berlin-Kreuzberg.

Bücher sind das Bier, die Musik der Rotwein

Und Regener kann noch ganz anders: Neben dem poetischen und prosaischen Dichter gibt es noch den polternden Denker. Diese Facette des Deutschen lernte kennen, wer gestern Abend die Diskussionssendung «Focus live» auf DRS 3 hörte. Es handelte sich dabei um eine Spezialsendung, die am letzten Mittwoch live vor rund 200 Zuschauern im Aarauer Kulturzentrum Kiff aufgezeichnet wurde. Die kleine Schar geladener Gäste kam durch die Einsendung einer Frage an Sven Regener zur Einladung.

Das Sendekonzept «Focus live» hat DRS3 in den vergangenen Jahren schon etwa mit Herbert Grönemeyer und Stephan Eicher erfolgreich durchgespielt – in der ersten Stunde diskutierten sie jeweils mit einem Moderator, in der zweiten spielten sie mit der Band auf. So kam auch das Publikum im Kiff zum seltenen Genuss, Sven Regener in dieser Doppelrolle zu hören, denn normalerweise hält er entweder als Schriftsteller eine Lesung oder steht als Sänger mit Element of Crime auf der Bühne.

Die schwierige Aufgabe, den gewitzten und wortgewaltigen Sven Regener aus der Reserve zu locken, musste DRS3-Moderator Dominic Dillier auf sich nehmen. Anstatt aus dem grossen Fundus der Zuschauerfragen zu schöpfen, versuchte er es mit eigenen Kreationen. Und er machte gleich zu Beginn den «Fehler», Regeners Bücher mit Bier und seine Musik mit Rotwein zu vergleichen. Regener sah das umgekehrt.

Mit Campino zu Grönemeyer

Und so zog sich der Abend hin: Dillier konnte die Verfilmung von «Herr Lehmann», Musiker-Preise oder die Schweiz ansprechen – Regener widersprach ihm meistens. Nur schon der Ansatz einer Frage von Dominic Dillier konnte reichen, um bei Sven Regener eine Wortlawine auszulösen, unter der jeder weitere Versuch des Moderators erstickte. Er konnte kaum je mit einer Frage nachhaken. Dillier tat einem fast ein bisschen leid.

«Nein, nie», «das funktioniert so nicht» und «ich weigere mich auch»: das sind nur ein paar Zitate, die die bockige Haltung von Regener dokumentieren. Nur einmal war er für einen Moment baff: «Woher kommt Ihr grosses Mitteilungsbedürfnis?», fragte ihn Dillier. Nach kurzem Nachdenken stritt Regener natürlich ab, eine Botschaft zu haben.

So war es am Schluss beinahe eine Erlösung, als auch noch Fragen aus dem Publikum gestellt wurden – schliesslich waren die das Eintrittsgeld der Zuschauer. Hier zeigte sich Regener weitaus milder in der Beantwortung. Aber vielleicht lag es auch an den witzigeren Fragen.

So wollte einer wissen, ob Sven Regener lieber mit Herbert Grönemeyer ein Lied schreiben oder mit Campino von den Toten Hosen um die Häuser ziehen würde. «Das schliesst sich nicht aus – man kann mit Campino um die Häuser ziehen und anschliessend gemeinsam zu Herbert gehen.» Das nennt man schlagfertig. Vielleicht hätten die Radiomacher früher aus dem Fundus des Publikums schöpfen sollen, um die deutsche Diva bei Laune zu halten. Schade, da wurde eine Chance verpasst.

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