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Ringo der Ritter

Der Schlagzeuger der Beatles darf von nun an mit «Sir» angesprochen werden. Zu Recht.

Mit dem typischen Victoryzeichen und der Plakette, die ihn als «Knight Bachelor» auszeichnet: Ringo Starr am Dienstag nach der Zeremonie.
Mit dem typischen Victoryzeichen und der Plakette, die ihn als «Knight Bachelor» auszeichnet: Ringo Starr am Dienstag nach der Zeremonie.
John Stillwell/AP Pool PA, Keystone

Als am Dienstag bekannt wurde, dass Ringo Starr zum Ritter geschlagen wurde, war Quincy Jones beim Gratulieren überschwänglich. Der amerikanische Produzent versuchte offensichtlich zu kompensieren, dass er den ehemaligen Beatles-Schlagzeuger in einem kürzlichen Interview als indiskutabel schlecht bezeichnet hatte. Bei einer Aufnahme von 1970 habe Starr stundenlang einen einfachen Einsatz geprobt und nicht hingekriegt, man habe einen anderen Schlagzeuger holen müssen.

In welchem Zustand Ringo war, wäre noch zu klären, er trank viel Alkohol. Klar ist nur: Ihm ist nichts geschenkt worden. Niemand hätte gedacht, dass er es in eine der besten Bands der Welt schaffen und als Solokünstler reüssieren würde und sogar als Schauspieler und anderes. Ausserdem war er so witzig wie John Lennon. «Ich liebe Beethoven», bekannte er an der ersten amerikanischen Pressekonferenz der Band – «vor allem seine Gedichte.» Ob er in den Sechzigern viele Drogen genommen habe, wurde er einmal gefragt. «I was too stoned to remember.»

Richard Starkey stammt aus einer Arbeiterfamilie und wuchs im armen Liverpooler Quartier Dingle auf. Als Kind musste er dermassen oft ins Spital, dass er lange Zeit weder schreiben noch lesen lernen konnte. Zweimal starb er beinahe, unter anderem an Tuberkulose. Sein Vater trank, seine Mutter überbehütete ihn.

Ihr Sohn brachte sich das Schlagzeugspiel selber bei, spielte in Bands und etablierte sich rasch. Aber selbst als er auf die anderen Beatles traf, die ihn haben wollten, weil sie ihn für den besten Schlagzeuger der Stadt hielten, begann seine Karriere schlecht. Produzent George Martin fand Ringos Spiel zu schwach für die zweite Aufnahme, auch er setzte einen Studiomusiker ein. Ringo hat das Martin lange vorgehalten.

Dabei wusste George Martin, was Quincy Jones überhört: dass Ringo nicht der beste Schlagzeuger war, aber der beste Schlagzeuger für die Beatles. Sein muskulöses Spiel auf Stücken wie «Can’t Buy Me Love», «Rain» oder «Strawberry Fields Forever» treibt die Kollegen an, seine Tom-Toms bei «A Day in the Life» bleiben zurückhaltend und klingen trotzdem dramatisch, und die ostinate Drumfigur von «Tomorrow Never Knows» wurde von mehreren Bands gesampelt, darunter den Chemical Brothers.

Darum wird Ringo auch von Kollegen verehrt, die ihm technisch überlegen sind: gerade weil er nicht solieren und sonstwie auffallen, sondern dem Song rhythmisch zudienen wollte. Er sei «the king of feel», sagt David Grohl (Nirvana, Foo Fighters), auch andere halten ihn für enorm unterschätzt. Der berühmte Studioschlagzeuger Jim Keltner sagt sogar, sie hätten damals alle im Studio versucht, so zu spielen wie Ringo.

Und jetzt also der Ritterschlag. Aus Richard Starkey von Liverpool ist Sir Starr geworden. Oder Sir Ringo. Das klingt lustig und bescheiden. Also passt es zu ihm.

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