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Selbst gelismeter Aktivismus

Für den Tag nach Trumps Amtseinsetzung ist ein grosser Protestmarsch geplant. Das Erkennungszeichen: pinkfarbene Strickmützen mit Öhrchen.

Protest mit Strickwaren: Beim Women's March einen Tag nach Trumps Inauguration wird ein Meer aus pinkfarbenen Mützen durch Washingtons Strassen laufen.
Protest mit Strickwaren: Beim Women's March einen Tag nach Trumps Inauguration wird ein Meer aus pinkfarbenen Mützen durch Washingtons Strassen laufen.

Obama ist schon so gut wie verabschiedet und Trumps Amtseinsetzung am 20. Januar nicht mehr zu verhindern. Die Proteste gegen ihn werden damit aber nicht verstummen. Bereits an seinem offiziell ersten Arbeitstag als Präsident der Vereinigten Staaten sind an seiner neuen Wirkungsstätte Washington D.C. zahlreiche Aktionen geplant, die grösste dürfte der Women’s March werden, ein Protestmarsch, zu dem eine US-Bürgerin bereits kurz nach seiner Wahl Anfang November via Facebook aufgerufen hat.

Inzwischen ist der Aufruf zu einem Riesenevent angeschwollen, über 100 Organisationen sind am Protestmarsch beteiligt, unter anderem Planned Parenthood – Trump hat im Wahlkampf angekündigt, der Gesundheitsorganisation Gelder zu streichen, alleine deswegen, weil auch Abtreibungskliniken zur Organisation gehören –, Amnesty International USA und Human Rights Watch; auch Prominente wie Amy Schumer und Olivia Wilde werden laut Organisatoren am 21. Januar in Washington erwartet.

Trumps Entgleisung als Inspiration

Und vermutlich werden die meisten von ihnen eine pinkfarbene Strickmütze tragen, das offizielle Erkennungszeichen, das unter dem Namen «The Pussyhat Project» lanciert worden ist. Der Name lehnt sich an Pussycat an, also Miezekätzchen, die Mützen erinnern optisch an Katzenöhrchen (hier geht es zur Strickanleitung).

Der Name Pussyhat zielt direkt auf eine Trump-Entgleisung ab – bei laufendem Mikrofon hat er damit geprahlt, mit Frauen alles anstellen zu können, was er wolle, selbst «grab them by the pussy», also «sie an der Muschi anfassen». Allerdings wollen die Initiantinnen des Women’s March nicht in erster Linie gegen Trump protestieren, sondern sie kämpfen für Frauenrechte, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte.

Mit Handarbeit gegen Frauenfeindlichkeit

Auf den ersten Blick mutet die Aktion mit den pinkfarbenen Mützen denn auch kindisch bis rückständig an à la «empörte, strickende Frauchen machen auf Hello Kitty». Dass jedoch ausgerechnet eine typisch weibliche Handarbeit als Symbol gegen Frauenfeindlichkeit eingesetzt wird, hat einen tieferen Sinn und läuft unter dem Begriff «Craftivism», der sich aus den Wörtern Craft und Activism zusammensetzt, also Handarbeit und politischer Aktivismus. Beispielsweise wurden aus Protest schon Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg komplett eingestrickt.

Das mag belächelt werden, und strickende Frauen würde man nicht als Erstes mit Feminismus in Verbindung setzen. Aber erstens hat der englische Begriff «crafty» eine durchaus positive Bedeutung – er steht für clever, schlau oder ausgekocht –, und zweitens wollen die Aktivisten damit zum Ausdruck bringen, dass eine strickende, nähende und kochende Frau nicht gleich ein Huscheli am Herd sein muss, sondern durchaus eine Feministin sein kann.

So werden nun im ganzen Land Katzenöhrchenmützen für die Demonstranten gestrickt, darunter auch von einem Mann, der bis Ende Jahr schon über 100 Exemplare fertiggestellt hat. Mag sein, dass es geeignetere Protestsymbole gegeben hätte als eine Kätzchenohrenmütze in Pink, die auf einer absolut niveaulosen Äusserung Trumps aufbaut, aber ein Meer aus Zehntausenden solcher pinkfarbener Kätzchenohrenmützen wird seine Wirkung bestimmt erzielen und sich in Köpfen und auf den Speicherkarten von Digitalkameras einbrennen.

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