Tief in der Welt der Profi-Ganoven

Krimi der Woche: US-Autor Wallace Stroby schickt in «Der Teufel will mehr» Crissa Stone nochmals auf einen gewagten Raubzug.

Wallace Stroby pflegt die Tugenden der Kriminalliteratur: Beschreibungen, die sich auf das beschränken, was man wissen muss, knackige Dialoge, trockener Humor.

Wallace Stroby pflegt die Tugenden der Kriminalliteratur: Beschreibungen, die sich auf das beschränken, was man wissen muss, knackige Dialoge, trockener Humor. Bild: Wallacestroby.com

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Der erste Satz
Die untergehende Sonne tauchte das Meer in Feuer.

Das Buch
Und bevorzugt raubt sie Drogenhändler, illegale Spielrunden, Banken und dergleichen aus. Leuten, die es nötig haben, würde Crissa Stone indes kein Geld abnehmen. Das ginge gegen ihre Moral. Die Berufskriminelle ist zum vierten und offenbar letzten Mal die Heldin eines Romans des US-Autors Wallace Stroby.

In «Der Teufel will mehr» lässt sich Crissa auf einen Auftragsjob ein. Er ist lukrativ, und die Risiken scheinen überschaubar zu sein. Ein reicher Kunstsammler muss geraubte Kunstschätze in den Irak zurückführen. Ausgerechnet, als er einen Käufer dafür an der Angel hat. Also soll Crissa mit einem Team den Rückgabetransport der historischen Stücke aus dem Lager des Kunstsammlers zum Hafen in Südkalifornien überfallen. Der Sammler hätte so seinen guten Willen gezeigt und könnte dazu sowohl den Verkaufspreis als auch die Versicherungssumme einsacken. Crissa, die kühle Planerin, organisiert einen Teil des Teams, den anderen Teil stellt der Sammler. Ihr Plan sieht gut aus. Sie wollte das Ding gewaltfrei drehen, doch das klappt nicht. Und als Crissa den zweiten Teil des Honorars für sich und ihr Team abholen will, erlebt sie eine böse Überraschung. Die Sache eskaliert brutal.

Wallace Stroby treibt die Geschichte, die ganz in den Kreisen der Ganoven bleibt, rasant voran, ohne sie durch Abschweifungen, lange innere Monologe und allgemeine Betrachtungen aufzuhalten. Er beschreibt, was passiert. Und dazu gibt es präzise, knappe Dialoge, die nie in Plaudereien ausarten. Ich habe es nicht ausgezählt, aber sicher mehr als die Hälfte des Buches wird durch direkte Rede bestritten. Das ergibt einen fast filmischen, sehr reduzierten Stil, wie ihn Altmeister wie Elmore Leonard oder Donald Westlake pflegten. Bei der Figur der Räuberin mit einer eigenen Moral dürfte sowieso ein Protagonist von Westlake Pate gestanden haben: Parker, der kriminelle Antiheld von zwei Dutzend Romanen, die er zwischen 1962 und 2008 unter dem Pseudonym Richard Stark veröffentlichte (und die nach wie vor absolut lesenswert sind). Wie Westlake Parker sich und seine Motivation nie erklären lässt, schildert uns Stroby Crissas Welt und Denken nicht in erklärenden Worten. Obwohl sie fast nur über ihr Handeln und die Dialoge definiert wird, kommt die Protagonistin dem Leser nahe.

Manche finden diese Art von Kriminalliteratur etwas altmodisch. Ich verstehe sie als klassisch. Mit guten alten Tugenden, die so manchem geschwätzigen Autor gut anstehen würden: Beschreibungen, die sich auf das beschränken, was man wissen muss, knackige Dialoge, trockener Humor, lakonischer Stil. Und ein Spannungsbogen, der ohne Mätzchen über 300 Seiten hält.

Die Wertung

Der Autor
Wallace Stroby, geboren 1960 im Monmouth County, New Jersey, studierte Journalismus an der Rutgers University. Er war unter anderem Polizeireporter bei der Zeitung «The Asbury Park Press» und während 13 Jahren Redaktor sowie Buch- und Filmkritiker bei «The Star-Ledger», der grössten Zeitung im US-Bundesstaat New Jersey, die er 2008 verliess. Er wurde für seine journalistischen Arbeiten mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Seinen ersten Roman, «The Barbed-Wire Kiss», veröffentlichte er 2003. Bisher sind von ihm acht Romane erschienen. Nur die vier Romane um die Profi-Räuberin Crissa Stone sind bisher auf Deutsch erschienen. Wallace Stroby lebt in New Jersey.

Wallace Stroby: «Der Teufel will mehr» (Original: «The Devil’s Share», St. Martin’ Press, New York 2015). Aus dem Englischen von Alf Mayer. Pendragon-Verlag, Bielefeld 2019. 314 S., ca. 23 Fr.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.03.2019, 09:13 Uhr

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