Kinder als Dealer auf dem Pausenplatz

In einer Sekundarschule im baslerischen Gelterkinden flog ein 12-jähriger Dealer auf. Ein Einzelfall? Was Experten dazu sagen.

In Gelterkinden haben Schüler unter anderem mit Cannabis gedealt. Ein 12-jähriger Dealer sei jedoch eine absolute Ausnahme. (Symbolbild)

In Gelterkinden haben Schüler unter anderem mit Cannabis gedealt. Ein 12-jähriger Dealer sei jedoch eine absolute Ausnahme. (Symbolbild) Bild: Alex Brandon/Keystone

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An einer Sekundarschule in Gelterkinden (BL) soll ein Netzwerk von Schülern mit Drogen dealen. Dies meldet die Zeitung des Oberbaselbiets «Volksstimme». Dass die Basler Kantonspolizei an verschiedenen Brennpunkten regelmässig Personen kontrolliert, bestätigte Roland Walter, Mediensprecher der Baselbieter Polizei, gegenüber der «Basellandschaftlichen Zeitung». Und die Sekundarschule in Gelterkinden sei nicht die Einzige, die davon betroffen sei.

Die jüngsten Dealer seien in der ersten Stufe der Sekundarklasse und nicht älter als 12 Jahre alt. Diese würden die Drogen ihren älteren Mitschülern verkaufen. Besorgniserregend ist, dass neben Tabak und Cannabis auch von harten Drogen wie Kokain die Rede war. Über die Art und Menge der von der Polizei konfiszierten Substanzen machte Roland Walter keine Angaben. Es handle sich jedoch nicht um eine aussergewöhnliche Menge, sagte er.

Ein absoluter Ausnahmefall

Annett Niklaus von der Suchtprävention des Kantons Zürich vermutet, dass es sich bei dem Delikt um einen absoluten Ausnahmefall handelt. Dies bestätigt Carmen Surber von der Kommunikationsabteilung der Kantonspolizei Zürich: «Mit so jungen Schülern sind uns praktisch keine Fälle bekannt», schreibt sie in der schriftlichen Stellungnahme.

Monique Portner-Helfer von der Stiftung Sucht Schweiz sagt, dass sich der Cannabis-Konsum bei schulpflichtigen Jugendlichen vor allem in der Altersgruppe der 15-Jährigen manifestiere. Trotzdem schrecke sie diese Nachricht auf: «Es ist besorgniserregend, dass dies bereits in dieser jungen Altersgruppe vorkommt.» 30% der Jungen und 19% der Mädchen im Alter von 15 Jahren seien in ihrem Leben bereits einmal mit Cannabis in Kontakt gekommen.

Bekannte und Internet als Quelle für Cannabis

Diese Zahlen stammen aus dem «Health Behaviour in School-aged Children»-Forschungsbericht (HBSC), den Sucht Schweiz im Frühjahr 2015 publiziert hat. Die Studie gibt auch Aufschluss über die Bezugsquellen der Jugendlichen. Bekannte werden von Jugendlichen deutlich am häufigsten als Zugangsquelle zu Cannabisprodukten genannt. Doch auch das Internet sei beispielsweise bei neuen psychoaktiven Substanzen eine mögliche Bezugsquelle, sagt Portner-Helfer.

Durch den Verkauf möchten Jugendliche vor allem ihren eigenen Konsum finanzieren, sagen Carmen Surber von der Kantonspolizei und Monique Portner-Helfer von Sucht Schweiz. Es gehe wohl nicht primär darum, ein Business zu starten, so Portner-Helfer.

Für sie sei es wichtig, dass alternativen Modellen zur heutigen Cannabis-Politik nachgegangen werde: «Es macht Sinn, über Regulierungsansätze nachzudenken und entsprechende Projekte umzusetzen. Wichtig ist, dass solche zeitlich und örtlich definierten Projekte wissenschaftlich evaluiert werden.» Eine grosse Herausforderung bei einer allfälligen Cannabis-Regulierung bleibe jedoch die Gewährleistung des Jugendschutzes.

Erstellt: 08.08.2017, 16:55 Uhr

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