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«Viele Frauen in Indien finden Einschränkungen total normal»

Saumya Saxena war in der Kommission für das neue Sexualstrafrecht in Indien. Sie erzählt von ihren Ängsten auf der Strasse, wieso die Todesstrafe falsch ist – und warum es einen indischen Feminismus braucht.

Aufstand gegen die Männerverachtung: Protestierende Frauen in Indien. (14. Februar 2013)
Aufstand gegen die Männerverachtung: Protestierende Frauen in Indien. (14. Februar 2013)
Keystone

Von aussen sieht es so aus, als sei die Gewalt gegen Frauen in Indien besonders ausgeprägt. Stimmt das?

Grundsätzlich gilt: Gewalt gegen Frauen ist keineswegs indienspezifisch. Es ist eher so, dass die indischen Medien heute sensibler auf Gender-Themen reagieren. So hören wir mehr über Dinge, die bis dato unsichtbar waren; und wenn es in Indien nicht einen so lauten Aufschrei bei dem Fall der Massenvergewaltigung gegeben hätte, gäbe es auch keine internationale Aufmerksamkeit. Und was man nicht vergessen darf: Schon in den Siebzigern und Achtzigern gab es Vergewaltigungsfälle in Indien, die zu lautstarken Protesten führten. Diese Proteste haben überhaupt erst den Boden bereitet für die Veränderungen im Rechtssystem und in der öffentlichen Wahrnehmung. Auch überlebende Opfer solcher Verbrechen haben eine ­marginal gesteigerte Hoffnung, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird. Darum hört man mehr von ihnen. Leider hat die Verurteilungsrate der Täter nicht in gleichem Mass zugenommen.

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