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Wahnsinnig lustig

Werber und Künstler nutzen das Internet-Meme «Epstein didn’t kill himself». Bloss wozu?

Eine 31-jährige Frau, die mit 15 Jahren vom Finanzier Jeffrey Epstein missbraucht wurde, trägt bei einer Anhörung ein Armband auf dem "Epstein didn't kill himself" steht. Foto: Lucy Nicholson (Reuters)
Eine 31-jährige Frau, die mit 15 Jahren vom Finanzier Jeffrey Epstein missbraucht wurde, trägt bei einer Anhörung ein Armband auf dem "Epstein didn't kill himself" steht. Foto: Lucy Nicholson (Reuters)

Zuletzt traf es die Kunstwelt. Nachdem ein Aktionskünstler die 120'000-Dollar-Banane an der Art Basel in Miami direkt von der Wand weg gegessen hatte, kam ein anderer Selbstdarsteller und malte mit roter Fingerfarbe «Epstien didn’t kill himself» an die leere Stelle, was die Security rasch wieder überdeckte. Den Namen des US-Millionärs und verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, der im Sommer tot in seiner Zelle gefunden wurde, schrieb er extra falsch (lesen Sie hier das Porträt über Jeffrey Epstein). Schliesslich könne man den Irrsinn der Kunstspekulation nur mit noch mehr Quatsch bekämpfen.

Er hat sich dafür ein Meme ausgesucht, das im Netz derzeit von allen möglichen Leuten verwendet wird – am liebsten zusammenhanglos. Der Satz wird auch auf Hauswände und Überführungen gesprayt oder auf Pullover gebügelt. Die Zürcher Firma Kaex druckte ihn neulich auf ein riesiges Plakat, das für ihr Anti-Kater-Mittel wirbt. Man wolle damit Aufmerksamkeit erregen, sagte deren Chef zu «20 Minuten».

Die wirkliche Verschwörung sieht man im ganzen Irrsinn gar nicht mehr.

Dass sich der Financier nicht umgebracht haben soll, hat mit der Verschwörungstheorie zu tun, laut der Epstein wegen seiner Verbindungen zu mächtigen Männern wie Bill Clinton oder Donald Trump zum Schweigen gebracht worden sei (lesen Sie hier mehr darüber). Das glaubt man offenbar auch bei Kaex, wo laut Chef die Meinung vorherrsche, Epstein sei ermordet worden. «Die ganze Geschichte berührt uns emotional.»

Was im ganzen vermeintlich lustigen Provokationsspiel weniger zu berühren scheint, ist die Tatsache, dass mindestens drei Dutzend minderjährige Opfer Epstein sexuellen Missbrauch vorgeworfen haben. Eine Verschwörung gibt es tatsächlich, sie fand 2007 in Florida statt: Damals hat der Millionär mit dem Staatsanwalt Alexander Acosta eine aussergerichtliche Einigung geschlossen. Sie gewährte Mittätern Immunität; Epstein selber bekam eine Haftstrafe zu netten Bedingungen, und weitere Ermittlungen durch das FBI wurden verhindert.

Das ist die wirkliche Verschwörung. Aber im ganzen Irrsinn sieht man sie gar nicht mehr.

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