Warum ein Trump aus der Schweiz ausgewiesen wurde

Im Sommer 1940 wollte ein Verwandter von Donald Trump die Schweizer Medien gleichschalten.

Die Akte Trump: Erste Seite der Fiche der Schweizerischen Bundesanwaltschaft zu Georg Trump. (Quelle: Schweizerisches Bundesarchiv)

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Wie oft googelt sich Donald Trump wohl am Tag? Zu selten, möchte man meinen, wenn man bedenkt, was er da so alles über das Treiben seiner weitverzweigten Verwandtschaft erfahren könnte – etwa über jenen Trump, der einst mit Aplomb sämtliche liberalen Zeitungen in der Schweiz auf seine Linie bringen wollte; vom Berner «Bund» bis hin zur «Neuen Zürcher Zeitung». Und wie er damit kläglich scheiterte.

Namentlich geht es um Georg Trump, der 1891 in der Pfalz geboren wurde, also aus der gleichen Region stammt wie die Familie des amtierenden amerikanischen Präsidenten. Und der es im Sommer 1940 zu einiger Berühmtheit brachte. Zumindest in der Schweiz, wo Georg Trump als Presseattaché der Deutschen Gesandtschaft amtierte – und einiges Tamtam machte, als die Schweiz so schwankend war wie wohl noch nie: Am 22. Juni 1940 war in einem Eisenbahnwaggon im Wald von Compiègne das deutsch-französische Waffenstillstandsabkommen geschlossen worden. Die Schweiz war damit von den Achsenmächten umzingelt. Etwas mehr als zwei Wochen später fand in den Redaktionsräumen des Berner «Bund» eine Unterredung zwischen dem Verleger Fritz Pochon und einem aufgeputschten Georg Trump statt, der bei dieser Gelegenheit «ultimativ» eine Änderung in der Leitung der Zeitung gefordert haben soll.

Die Intervention beim «Bund» war nicht der erste und auch nicht der letzte Versuch, die Schweizer Medien gleichzuschalten: Trump intervenierte auch bei der Basler «National-Zeitung» und der NZZ. Wobei Trump mit der Behauptung auftrumpfte, seine Forderung auch gegen den Widerstand der Zeitungen durchsetzen zu können. «In einigen Wochen ist Frankreich besiegt, und dann nehmen wir London ein, und der Krieg ist zu Ende», soll er gesagt haben.

Widerstand im Winkelried-Stil

Es kam bekanntlich anders. Und auch Trumps Aktion gegen die Schweizer Presse war letztlich ein Schuss in den Ofen. Was man damals nicht unbedingt erwarten konnte, waren der Bundesrat und die Schweizer Diplomatie zu dieser Zeit ja durchaus zu Konzessionen gegenüber den Nazis bereit – aber nicht die Schweizer Medien. Allen voran Ernst Schürch, der sich nach Trumps Intervention dem Druck der Nazis im Winkelried-Stil widersetze. «Die Schweiz muss leben; der Einzelne muss es nicht», heisst es am Ende eines Artikels, den er nur wenige Tage nach Trumps Auftritt im «Bund» veröffentlichte.

Angesichts seines Misserfolgs geriet Georg Trump schon bald in Ungnade bei den Nazis. Und nachdem er einer verordneten Versetzung nach Marseille keine Folge geleistet hatte, wurde er Ende August 1944 aus dem Dienst der Deutschen Gesandtschaft entlassen. Trump beantragte Asyl in der Schweiz – mit dem Argument, er sei inzwischen «total verschwyzert». Tatsächlich hatte Trump während seines Aufenthalts in Bern bereits einige Schweizer Untugenden angenommen: Während die Nazis ihre Niederlagen erlitten, führte Trump Lärmklage gegen seine Nachbarn; ein Beamter der Berner Polizei musste sich auf den Fussboden in Trumps Wohnung legen «und das Ohr auf den Boden halten», wie es in den Akten im Bundesarchiv heisst. Der Polizist «konnte aber nur ein ganz leises Surren feststellen».

«Ist nicht als politischer Flüchtling anzuerkennen»: Einträge aus Trumps Fiche, als über sein weiterer Aufenthalt in der Schweiz entschieden wurde.

Am Ende half alles Klagen und Rekurrieren nichts: Die Schweizerische Bundesanwaltschaft rollte Trumps Aktion vom Sommer 1940 nochmals auf – und entzog ihm 1945 die Aufenthaltsbewilligung. Am 20. September musste der einstige Nazi-Presseattaché zusammen mit seiner Familie ausreisen. Georg Trump starb 1965 in Konstanz, wo er sich – seiner Macht und Wirkungsmöglichkeiten beraubt – als Numismatiker zu verdingen hatte. Sad.

Klicken Sie hier, um die komplette Staatsschutzfiche von Georg Trump als PDF herunterzuladen (Quelle: Schweizerisches Bundesarchiv)

Literatur zum Artikel: Georg Kreis: Juli 1940. Die Aktion Trump. Mit einem Nachwort von Herbert Lüthy. Basel und Stuttgart 1973 (nur antiquarisch oder in Bibliotheken erhältlich).

Wir danken dem Schweizerischen Bundesarchiv für seine Hilfe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.03.2017, 15:55 Uhr

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