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Was Mädchen wollen

Junge Frauen sind eine heiss begehrte Zielgruppe unter Zeitschriften-Machern. Zwei neue Magazine versuchen auf gegensätzliche Weise, den Markt zu erobern.

Die neuen Magazine: «Friday» und «Missy».
Die neuen Magazine: «Friday» und «Missy».

Frauen sind eine äusserst launische Leserschaft und entsprechend kompliziert ist der Markt für Frauenmagazine. Aber immerhin lesen die Frauen, im Gegensatz zu den Männern gern und viel. Also dürfte dieser Markt noch nicht ausgeschöpft sein, so wissen die Marketingstrategen. Fraglich ist nur, mit welchen Themen man Frauen ansprechen soll. Neu erfinden kann man das Produkt zwar nicht. Und trotzdem erobern neue Frauenmagazine nur dann den Markt, wenn sie das zumindest anpeilen.

Geschlechtsumwandlung für «Week»

Gerade versuchen es wieder zwei neue Publikationen – auf völlig gegensätzliche Weise. Tamedia, der Verlag, bei dem auch «Tagesanzeiger» und «Berner Zeitung» erscheinen, lanciert morgen das Gratis-Magazin «Friday». Das Heft ist das Nachfolge-Produkt des eingestellten Ausgehmagazins «Week», das mit solidem Musikjournalismus auf das urbane Ausgehpublikum zielte. Das Nachfolgeprodukt «Friday» durchweht nun eher der Duft von Blütenparfüm und Haarspray - entsprechend wurde das Konzept von «Week» sozusagen kastriert und ordentlich Östrogen ins Unternehmen gepumpt. Resultat ist ein spielerisches Magazin voller Lifestyle- und Promi-Kurzfutter. Das Layout macht deutliche Anleihen an das Partnermagazin «Annabelle», der Schwerpunkt liegt auf Stil, Mode und Befindlichkeiten aus dem zielgruppengerechten Alterssegment. So zappt sich «Friday» rundum light durchs Wochenende. Und bietet, was man von einer Gratiszeitschrift erwarten darf - mit bestem Anschluss-Spektrum für Werbekunden.

Selbstverständlich feministisch

Genau in die andere Richtung sucht das neueste Frauenmagazin aus Deutschland namens «Missy» den Erfolg. Gegründet wurde es dank einem Internet-Wettbewerb, bei dem das Konzept für «Missy» gewann. Mit 20'000 Euro Startfinanzierung wirft sich «Missy» auf den Markt und hofft. Verpackt in ein solides aber nicht sehr ambitioniertes Layout, tritt es mit dem postfeministischen Anspruch auf, über Popkultur aus weiblicher Sicht zu schreiben. Und das heisst? Missy soll laut ihren Macherinnen ein «intelligentes Frauenmagazin ohne den ganzen Diät- und Wie-angel-ich-mir-'nen-Mann-Schrott, dafür mit Pop, Kultur, Politik, Mode, Style und selbstverständlich Feminismus» sein.

Ein bemerkenswerter Anspruch, der sich sogar rechnen könnte. Immerhin ist Alice Schwarzers «Emma» eines der wenigen Frauenmagazine, das in den letzten Jahren sogar Leserinnen gewonnen hat, während Celebrity-Postillen wie «Glamour» und «Celebrity-Style» ihren Erscheinungsrhythmus mangels Nachfrage reduzieren mussten.

«Missy» fragt zum Beispiel: Wie werden Mädchen eigentlich Nerds? Wie klebe ich mir einen Bart? Und welche jungen Frauen haben wirklich etwas drauf? Natürlich findet sich auch als politisches Kernstück auch eine Reportage über Frauenbeschneidung in Burkina Faso. Doch jetzt schon ist absehbar, dass das Heft den jungen Feminismus in einer anderen Richtung suchen muss. Überzeugend am Heft sind nicht so sehr die Texte, die guter Durchschnitt sind, sondern Ideen wie Strickanleitungen für Tierchen, der witzige Selbsttest für Kamasutra-Stellungen und vor allem die Porträts junger Frauen, die mehr zu erzählen haben, als welche Nagellackfarbe sie gerade bevorzugen.

«Missy» ist eine Bereicherung. Bleibt fraglich, ob feministisch erweckte junge Frauen nicht von vornherein ihre Affinität zu neuen Medien entdecken und ihre Interessen gratis im Internet befriedigen.

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