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Wenn ein «tsch» einen Orgasmus auslöst

Hochkomisch, wenn man die sprachlichen Details beachtet: Oropax führt die Zuschauer ins Tiefland des Humors.

Tiefflieger? Volker und Thomas Martins, besser bekannt als Oropax, in ihrem aktuellen Bühnenprogramm.
Tiefflieger? Volker und Thomas Martins, besser bekannt als Oropax, in ihrem aktuellen Bühnenprogramm.
Marco Stalder

Unter den Komikern sind sie die Perückenmacher. Auf jeder Glatze können Oropax eine Locke drehen. Im Coiffeursalon spielt die neue Show, die im Casinotheater Winterthur Premiere hatte, sie heisst: «Testsieger am Scheitel.» Der Punkt ist hier wichtig. «Da ist mehr Tiefsinn, als man glaubt», sagen die Brüder Thomas und Volker Martins, die das Chaostheater Oropax sind. Man muss ihnen nicht glauben.

Seit 1992 sind die beiden Deutschen aus Freiburg, die so gerne in der Schweiz spielen, unterwegs. Sie zeigen die Welt so, wie sie ihnen erscheint: als komplett verrückte Vorstellung. Der Abend beginnt in barocken Farben und gemessenem Schritt, unter Allongeperücken treten Oropax auf. Dann gehen die ersten Witze den Bach runter. Und schon sind wir dort, wo uns das Programm haben will: im Tiefland des Humors, wo man die Butter mit der Geige aufträgt. Ist eben: ein Streichinstrument.

Schlagfertigkeit kann wehtun

So gehen Oropax mit jedem Objekt um, das ihnen auf ihrem Weg durch das Programm begegnet: Sie prüfen alles auf jede mögliche und unmögliche Bedeutung. Auf ein paar Buchstaben mehr oder weniger kommt es hier nicht an. «Wo bist – du denn», ruft Volker. Und Thomas erscheint mit dem Duden. Hier sind alle Wörter drin, mit denen die Komiker spielen. «Schlagfertigkeit» ist ein solches Wort. Es kann richtig wehtun. Denn der Schlag geht bei Oropax oft unter die Gürtellinie.

Genitalien sind überhaupt auf Buchstaben empfindlich. Schon ein «tsch» löst bei Volker einen Orgasmus aus, aus irgendwelchen Gründen. Aber Gründe brauchten Oropax nie, um etwas auf die Bühne zu bringen. Andere Kalauer sind wiederum ausgesucht harmlos: es zeigt sich der Geh-heim-Agent Pinski, wir hören von der kahlköpfigen GmbHaar, und uns begegnet natürlich der Mönch, der in jeder Show seinen Auftritt bekommt mit seinem «Hallo hallo hallo, ich bün oin Mönch». Diesmal hat er ein Update bekommen, der Mönch ist eine Frau.

Vieles aber ist in diesem Theater gleich geblieben. Immer noch leben Oropax vom Chaos, das sie selber auf der Bühne anrichten. Die Rollen sind verteilt: Volker ist der weisse Clown, Thomas spielt den dummen August. Oft aber gerät die Ordnung durcheinander. Am Premierenabend waren die Kulissen nicht so stabil. Manche Elemente brachen ein. Wie auch einzelne Szenen.

Aber das Prekäre gehört zu Show. Oropax spielen immer aus dem Moment heraus. Und da kann man nicht einfach auf einen Knopf drücken, und die Comedymaschine rattert los. Manchmal passiert dann einfach nichts, wie beim Laubbläser, der am Schluss keinen Mucks macht. Dann lachen Thomas und Volker Martins ihr Oropax-Lachen. Und dafür muss man sie lieben. Punkt.

Weitere Vorstellungen: Casinotheater Winterthur, 3. bis 5.10.; Bierhübeli Bern 11.10.; Volkshaus Zürich 23.11.

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