Zum Hauptinhalt springen

Wenn sich Liszt aus dem Jenseits meldet

Ist eine Kommunikation mit Verstorbenen möglich? Oder ist das Trickserei, auf die Leichtgläubige hereinfallen? Diesen Fragen geht das Museum für Kommunikation in Bern nach.

Haben Sie schon mal mit einem Verstorbenen gesprochen? Glaubt man den Anpreisungen im Internet, so ist dies spielend einfach: Eine Franziska aus Basel etwa bietet «Jenseitskontakte in einer individuellen Einzelsitzung» an – für 120 Franken. Zwar kann man nicht bestimmen, mit wem man sprechen will. Dafür aber ganz konkrete Fragen stellen.

Kontakte zwischen Lebenden und Toten sind auch das Thema einer Ausstellung mit dem Titel «Goodbye & Hello: Im Dialog mit dem Jenseits» im Berner Museum für Kommunikation, die am Freitag beginnt. Früher machte das Museum, das von Post und Swisscom finanziert wird, Ausstellungen über das Postauto oder das Telefonbuch. Ist es nun plötzlich auf den Esoterik-Trip gekommen?

Beten für die armen Seelen

«Keineswegs», versichert Ausstellungsmacher Kurt Stadelmann. «Wir inszenieren keine esoterische Show.» Man wolle vielmehr über glaubwürdige Zeugen Phänomene dokumentieren, bei denen es um Kommunikation zwischen Lebenden und Toten gehe. Auch er selber sei nicht esoterisch angehaucht, meint Stadelmann – fügt aber hinzu: «Wenn wir diese Ausstellung machen, müssen wir auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass es eine Kommunikation mit dem Jenseits gibt.»

Die Ausstellung fängt ganz alltäglich mit einer Todesanzeige an, die sich an jenen richtet, der eigentlich nicht mehr Zeitung lesen kann: «Nun fehlst Du, nicht nur beim Billard oder Boccia. Wir werden Dich in bester Erinnerung behalten. Deine Freunde.» Und sie ruft in Erinnerung, dass es für rechtschaffene Katholiken zur Pflicht gehört, für jene armen Seelen zu beten, die im Fegefeuer schmoren, weil sie im Diesseits zu sehr gesündigt haben.

Para- oder Neuropsychologie?

Solche Vorstellungen sind als Teil des katholischen Glaubens breit akzeptiert. Anders sieht es aus, wenn sich berühmte Verstorbene über ein Medium in der diesseitigen Welt zurückmelden. So schrieb das Medium Rosemary Brown bisher unbekannte Musikstücke nieder. Diese hätten ihr verstorbene Musiker wie Beethoven oder Liszt direkt aus dem Jenseits diktiert, behauptete sie. Einmal zeigte Brown ihr Können während einer Sendung der englischen BBC. Experten urteilten danach, das dabei niedergeschriebene Stück entspreche dem Stil von Liszt.

Die Ausstellung dokumentiert nicht nur überweltliche Phänomene, sondern lässt auch Kritiker zu Wort kommen – etwa Peter Brugger, Leiter der neuropsychologischen Abteilung des Zürcher Universitätsspitals. Dieser versucht, sprechende Verstorbene aus der Person heraus zu erklären, die sie wahrnimmt: «Geister sind wahrscheinlich nicht mehr und nicht weniger als Phantome des Körpers», ist Brugger überzeugt – ähnlich dem Phantomschmerz in einer abgetrennten Hand. Dabei spielten chemische Vorgänge im Gehirn eine Rolle, glaubt Brugger.

Der Ausstellungsmacher will sich selbst nicht festlegen, ob es nun Kontakte mit Toten gibt oder nicht. Vielmehr versteht er sich als Schiedsrichter, der in seiner Ausstellung beide Lager zusammenbringt – das rationale und das parapsychologische. Denn diese Lager sprechen normalerweise nicht miteinander. «Meines Wissens hat vor uns noch niemand versucht, eine solche Ausstellung zu machen», sagt Stadelmann. Die Besucher dürfen selbstverständlich glauben, was sie wollen. Sie können am Schluss der Ausstellung über eigene Erfahrungen mit dem Jenseits berichten, und wer nicht mit solchen aufzutrumpfen vermag, kann anhand eines Fragebogens auch mitteilen, dass er nichts von jenen hält, die angeblich mit ihrem verstorbenen Opa plaudern können.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch