Im Sommerlager zum Social-Media-Star werden

In den USA gibt es jetzt eine Art Pfadilager mit Selfies statt Schlangenbrot: das Social Star Creator Camp. Die Erwartungen sind gross, die Ängste der Eltern auch.

Ariel Martin, besser bekannt als Baby Ariel, hat auf ihrem Youtube-Kanal mehr als 2 Millionen Abonnenten. Das Social Star Creator Camp möchte Jugendlichen eine ähnliche Karriere ermöglichen.

Ariel Martin, besser bekannt als Baby Ariel, hat auf ihrem Youtube-Kanal mehr als 2 Millionen Abonnenten. Das Social Star Creator Camp möchte Jugendlichen eine ähnliche Karriere ermöglichen. Bild: Youtube/Baby Ariel

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«Wir möchten weder DICH noch deine Ideen ändern. Wir möchten nur, dass das bestmögliche DU viral geht.»

Was sich erst mal nach der Verbreitung einer Krankheit anhört, soll zahlungswilligen Jugendlichen (oder deren Eltern) in Wahrheit helfen, zu Influencern und Social-Media-Stars zu werden.

Influencer sind Personen, die aufgrund ihrer starken Präsenz und ihres hohen Ansehens in sozialen Netzwerken interessant für Unternehmen und zur Erfüllung von deren Marketingzwecken benutzt werden. Als Influencer erhalten sie Geld und Produkte und kommen in den Genuss von Dienstleistungen. Diese teilen sie anschliessend mit ihren Followern, bewerten sie, berichten darüber und werden somit zu Werbeträgern für die spezifischen Zielgruppen.

Social Media statt Sarasani

Social Star Creator Camp nennt sich das Summer Camp in den USA, das Teenagern und jungen Erwachsenen auf ihrem Weg zum Influencer oder Social-Media-Star helfen soll. Eine Art Pfadilager, nur ohne Schlangenbrot und Sarasani – sondern Selfies und Social Media.

Wer es sich leisten kann, zwischen 229 US-Dollar (für drei Tage) und 2690 US-Dollar (für 10 Tage) auszugeben, kann laut der Website der «nächste grosse Social-Media-Star werden» und sich somit in eine Reihe mit den Kardashians und Jenners dieser Welt stellen. Das Social Star Creator Camp ist das erste Summer Camp, das den Fokus ausschliesslich auf Social-Media-Aktivitäten legt. Andere wie das Camp 17 locken die Teilnehmer mit Vorbildern wie Baby Ariel, Tyler Oakley oder den Martinez Twins und integrieren teils Social-Media-Kurse in das ansonsten übliche Freizeitprogramm.

«Wir wissen um eure Ängste»

Den Organisatoren ist bewusst, dass Berufe in und mit sozialen Netzwerken von Eltern noch kritisch beäugt werden. Doch verhielt es sich in den 50er-Jahren nicht ähnlich, als sich die ersten Jugendlichen E-Gitarren umschnallen wollten? Aus diesem Grund haben die Organisatoren einen Erklärungsbrief zur Verfügung gestellt, in welchem sie den Eltern erklären, aus welchem Grund sich diese Investition lohnt: «Liebe Eltern von sozialen Unternehmern, wir wissen um Ihre Ängste», werden die Eltern begrüsst.

Es wird aber auch gleich klar differenziert, an wen sich dieses Camp richtet. Es sei nämlich nichts für Teenager, deren Hauptinteresse der Konsum von Social Media ist. Das Social Star Creator Camp richte sich an Erschaffer, an diejenigen, die ihre Zeit bereits damit verbringen, Inhalte für Social Media zu produzieren, oder an solche, die damit anfangen möchten, und dies auf einem professionellen Niveau machen möchten.

Mit Stars zum Erfolg

Damit die Teilnehmenden praxisorientiert lernen können, nehmen Social-Media-Stars am Camp teil, um ihre jungen Fans kennen zu lernen und bei den Lernprozessen zu unterstützen. Das Social Star Creator Camp 2017 wird von Michael Buckley präsentiert, der bereits vor zehn Jahren mit seinem Youtube-Channel «What The Buck» Millionen an Views generieren konnte. In diesem Vlog kommentierte er das People-Geschehen in Amerika recht bissig und teils unter der Gürtellinie.

Um den Eltern zu beweisen, dass sich mit Social Media tatsächlich Geld verdienen lässt, werden im Brief an die Eltern noch gleich einige Zahlen genannt: etwa von zwei Milliarden Dollar, die von Youtube in zehn Jahren ausbezahlt wurden, etwa von 50 Prozent aller Youtube-Kanäle, die pro Jahr einen sechsstelligen Betrag verdienen. Die Erwartungen werden hoch geschürt – die Chancen, mit Youtube sein Geld zu verdienen, bleiben vergleichsweise klein.

Erstellt: 18.07.2017, 16:01 Uhr

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