«Wir lieben es, immer reicher zu werden»

Jugendliche demonstrieren gegen das neue Online-Urheberrecht – auch in der Schweiz. Für Jaron Lanier sind sie bloss nützliche Idioten der grossen Techfirmen.

Zehntausende Jugendliche gehen gegen das Online-Gesetz auf die Strasse: Demonstration in Stuttgart. (23.3.2019)

Zehntausende Jugendliche gehen gegen das Online-Gesetz auf die Strasse: Demonstration in Stuttgart. (23.3.2019)

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Am Wochenende gingen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Zehntausende auf die Strassen, um gegen die EU-Urheberrechtsreform zu demonstrieren. Morgen Dienstag stimmt das EU-Parlament darüber ab. Es geht unter anderem um die Frage, ob Plattformen wie Youtube künftig dazu verpflichtet werden, verhindern zu müssen, dass urheberrechtlich geschützte Texte, Bilder oder Videos hochgeladen werden. Gegner der Reform, darunter sehr viele Jugendliche, befürchten, dass die dafür verwendeten Uploadfilter zu restriktiv eingesetzt werden. Manche befürchten eine Zensur.

Tech-Pionier Jaron Lanier («Zehn Gründe, warum du deine Social-Media-Accounts sofort löschen musst») hat für diese Demonstranten nur Spott übrig. In der aktuellen Ausgabe der «Zeit» schreibt er ihnen einen ironischen Brief im Namen der Techgiganten. «Wir lieben es, immer reicher zu werden», so Lanier.

«Wir» – Lanier spricht im Namen des Silicon Valley – «finden es unfassbar cool und praktisch, dass die Piratenparteien die Bezahlung von Urhebern für eine Form von Zensur halten oder wie immer gerade ihr Dogma lautet.» Die Annahme, die EU zwinge die Firmen dazu, erstmals Filter einzusetzen, sei zudem eine Fehlannahme.

Für Lanier sind die Demonstranten bloss nützliche Idioten der grossen Techfirmen, die ihr Geschäftsmodell erhalten wollten. Dieses basiere auf Daten, und Daten könnten sich die Firmen zur Zeit en masse und ohne Bezahlung aneignen. Daten auch von jenen, die derzeit gegen das EU-Urheberrecht auf die Strasse gehen. Laniers Pointe: «Im Moment liebt ihr das System, das Urheber abzockt, während wir, die Big-Tech-Giganten, den Lohn einstreichen.»

(Red)

Erstellt: 25.03.2019, 13:53 Uhr

Jaron Lanier. (Bild: Keystone )

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