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«Zürich war der erste Aussenposten der Psychoanalyse»

Zürich ist seit 100 Jahren eine der Hauptstädte der Psychoanalyse. Peter Schneider, Psychoanalytiker und Publizist, gibt Auskunft über historische Verbindungen, neue Befindlichkeiten und den Bildungskanon.

Sigmund Freud (1856–1939), hier 1928 in Berlin vor seinem ersten Flug, wollte die Psychoanalyse aus Wien herausbringen.
Sigmund Freud (1856–1939), hier 1928 in Berlin vor seinem ersten Flug, wollte die Psychoanalyse aus Wien herausbringen.
Keystone
In Carl Gustav Jung (1875–1961), hier 1910 als junger Arzt vor dem Burghölzli, fand er einen Verbündeten.
In Carl Gustav Jung (1875–1961), hier 1910 als junger Arzt vor dem Burghölzli, fand er einen Verbündeten.
Wikipedia/Public Domain
Paul Parin (1916–2009) war einer der führenden Psychoanalytiker Zürichs und Mitbegründer der Ethnopsychoanalyse.
Paul Parin (1916–2009) war einer der führenden Psychoanalytiker Zürichs und Mitbegründer der Ethnopsychoanalyse.
Keystone
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Peter Schneider, Zürich hat angeblich die höchste Dichte an Psychoanalytikern weltweit. Gibt es in Zürich spezielle Neurosen? Das glaube ich nicht. Für Sigmund Freud war es wichtig, von Wien aus Fäden zu spinnen, um zu zeigen, dass die Psychoanalyse keine lokale Marotte war – eine zum überzüchteten Wiener Bürgertum passende, selbst zur Hysterie neigende Therapie. Die Exportfähigkeit der Psychoanalyse war für ihn Ausweis der Wissenschaftlichkeit seiner Theorie. Darum war es für ihn so wichtig, ins protestantische Zürich – und auch in die USA – zu expandieren. Durch den Kontakt zwischen Freud und C. G. Jung wurde Zürich zum ersten Aussenposten der Psychoanalyse. Hier konnte dank Jung und Eugen Bleuler, die als Ärzte an der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli arbeiteten, auch die Psychiatrie für die Psychoanalyse gewonnen werden. Und der Pfarrer Pfister verwendete die Psychoanalyse für seine pädagogischen Ambitionen. Von da an ist Zürich immer ein wichtiger Platz für die freudsche Analyse und natürlich auch für die Jungianer geblieben.

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