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Zwischen Leben und Tod

Jeden Freitag präsentiert Tagesanzeiger.ch/Newsnetz Fundstücke aus dem Archiv der Fotostiftung Schweiz. Heute: Das Projekt «Pauline & Pierre» von Hugues de Wurstemberger.

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Hugues de Wurstemberger, der seit über dreissig Jahren in Brüssel lebende Schweizer Fotograf, wurde bereits 1994 mit einer Reportage über die Westsahara bekannt. Das 2005 in Brüssel veröffentlichte Buch «Pauline & Pierre» fand hingegen in der Schweiz bis jetzt nur wenig Beachtung.

«Pauline & Pierre» ist zweifelsohne jene Arbeit, die Hugues de Wurstemberger – oder H2W, wie er sich selber nennt – am längsten beschäftigte. Was er als eine «lückenhafte Chronik seiner Familie», vor allem seiner Kinder, bezeichnet, entstand im trägen Verlauf von Tagen, die sich allmählich zu Wochen, Monaten und Jahren vermehrten. Das Ergebnis ist eine fragmentarische Erzählung – ein ständiges Hin und Her zwischen seinen beiden Kindern, ihrer Mutter und ihrer Grossmutter, aber auch zwischen Meer und Bergen, zwischen der Welt des Wassers und jener der Pflanzen und Steine. Die Idee zu dieser fotografischen Chronik keimte Ende der 80er-Jahre, um die Zeit der Geburt von Pauline, nachdem sich der Fotograf von seiner ersten grossen Arbeit über die Päpstliche Schweizergarde gelöst hatte. Sie ist auch eine Erinnerung an François, den in den Bergen verschollenen Neffen, und nährt sich am Zyklus von Leben und Tod.

Chaotischer Familienalltag

Wir sind uns gewohnt, dass Fotografen und Künstler uns Teile ihres Privatlebens preisgeben und dazu absichtlich amateurhafte Bilder schiessen und vorgeben, die Technik nicht zu beherrschen, um authentischer zu wirken. H2W hat bereits seit langem einen diametral entgegengesetzten Ansatz gewählt. Seine Fotografien erlangen ihre Wahrhaftigkeit aus ihrem Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Durch seine konsequente Wahl des quadratischen Formats und den Verzicht auf die Farbe vermeidet er alles Anekdotische. Der chaotische und vergängliche Familienalltag gewinnt auf diese Weise eine Stabilität und Ordnung, die ihm eigentlich fremd sind. Und die Harmonie der Grauabstufungen nimmt der Realität ihre Schärfen und Misstöne. Daraus entsteht eine fast archetypische Vision, eine Idealvorstellung der Kindheit und der Familie.

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